"[II.108. - Gerste] - Hordeum vulgare, distichon, hexastichon - Gerstensorten
Die beste Gerste ist weiss und rein, besitzt aber weniger Nährkraft als der
Weizen; die aber aus seiner Grätze bereitete Ptisane ist nahrhafter wegen
des beim Kochen gebildeten Schleimes. Sie ist wirksam gegen Schärfe,
gegen Rauheit und Geschwüre der Luftröhre gegen die auch die Weizenptisane als mehr nahrhaft und harntreibend heilsam ist. Sie befördert, mit
Fenchelsamen gekocht und geschlürft, die Milchabsonderung, treibt den
Harn, macht geschmeidig, treibt die Blähungen, ist dem Magen nicht zuträglich undreift die Oedeme. [Mache die Ptisane auf folgende Weise:
Befreie die Gerste von den Hülsen, trockne sie in der Sonne, enthülse
dann wieder und trockne. Wenn du sie zum Aufbewahren wegsetzest,
streue den beim Enthalsen erhaltenen Abfall darüber, denn es wird sie
erhalten, weil die Ptisane feucht genommen nahrhafter ist. Das Wasser
(dazu) beträgt das Zehnfache der Gerste; streue auch unzerriebenes Salz
dazu]. Das Gerstenmehl, mit Feigen und Honigmeth gekocht, zertheilt
Eitergeschwüre und Geschwülste, es bringt ferner mit Pech, Harz und
Taubenmist Verhärtungen zur Reife. Mit Steinklee hilft es bei Kopf- und Brustschmerzen; mit Leinsamen, Bockshorn(mehl) und Raute dient es
als Umschlag bei Aufblähen der Eingeweide. Mit Theer, Wachs, dem Urin
eines unschuldigen Knaben und Oel reift es Drüsen. Mit Myrrhe oder
Wein, wilden Birnen, Brombeer oder Granatapfelschalen stellt es den Bauchfluss. Mit Quitten oder Essig hilft es bei Podagraanschwellungen. Mit
scharfem Essig gekocht auf dieselbe Weise wie die Omelysis, und warm
aufgelegt heilt es Aussatz. Der mit Wasser aus dem Mehle bereitete und
mit Pech und Oel gekochte Schleim bildet Eiter. Mit Essig zu Schleim
gemacht und mit Pech gekocht ist es bei Gelenkflüssen angebracht. Die
aus der Gerste bereiteten Graupen stellen den Bauch und lindern Entzündungen."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)
"[II.109. - Zythos] - Bier
Der Zythos wird aus Gerste bereitet; er treibt den Harn, greift die Nieren
und Nerven an. am meisten ist er der Hirnhaut schädlich. Er verursacht
Blähungen, macht schlechte Säfte und bewirkt Elephantiasis. Das damit
macerierte Elfenbein lässt sich gut bearbeiten."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)
"[II.110. - Kurmi] - Süssbier
Das sogen. Kurmi, welches aus Gerste bereitet wird, und welches man an Stelle von Wein als Getränk verwendet, verursacht Kopfschmerzen, bildet schlechte Säfte und greift die Nerven an. Es werden aber auch ähnliche Getränke aus Weizen gemacht, wie im westlichen Iberien und Britannien."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)