"Die Gerste Hordeum,
ist, wie Plinius ausdrücklich
sagt, die älteste der Cerealien, auch wird ihrer mehrmals
bei den gottesdienstlichen Gebräuchen gedacht, und Gerste
war bei der Feier der Eleusinien des Siegers Preis. Es
gibt aber mehrere Gerstenarten, und es fragt sich demnach,
welche wohl zu verstehen sey.
Nach Columella war es eine
sechszeilige Sorte mit nackten Samen.
Diese Angaben sind vollkommen deutlich ; und die
Art, von der Columella redet, kann keine andere seyn,
als die sogenannte Himmelsgerste; Hordeum vulgare L. variet
coeleste, die man jedoch nicht mit der nackten Gerste
(Hordeum nudum L.), einer zweizeiligen Sorte, verwechseln
darf, wie selbst Botaniker gethan haben.
Eine sehr genaue Beschreibung und Abbildung der
Himmelsgerste hat Erik Viborg geliefert
; sie heisst auch
ägyptisches Korn, Jerusalemskorn, Davidskorn, Jerusalemsgerste
u. s. w., Benennungen, die recht gut mit den Angaben
des Herrn Dureau de la Malle zusammenstimmen.
Columella bemerkt, dass diese Gerstenart früher reife,
als jede andere, und dies bestätigt auch Viborg,
ja ich
habe selbst mich davon überzeugt, so dass sie immer
8—10 Tage früher als die gemeine Gerste abgeschnitten
werden kann.
Er erinnert besonders an die sogenannten Himmelszeichen,
deren sich verschiedene Völker bedienten und welche
auf ihre Haupt-Nahrungspflanzen hindeuten. Die mexikanische
Ceres oder die Göttin des Ackerbaues wird mit
einem Maisstengel in der Hand abgehildet. Weder Weizen
noch Gerste finden sich in den einfachen Zeichen der
chinesischen Charaktere, deren Erfindung 2200 Jahre älter
ist, als die christliche Zeitrechnung; wohl aber sind der
Reis und die Hirse darinnen ausgedrückt. Auch in den
arabischen und indischen Zeichen kommt der Weizen
nicht vor. Alle ägyptische Himmelszeichen hingegen zeigen
die Constellation der Ceres oder der Isis in Gestalt
einer Frau, die eine Aehre in einer oder mit beiden Händen
hält. Die griechischen und römischen Himmelszeichen,
die aus dieser Quelle fliessen , zeigen auch denselben
Gegenstand. Alle historischen und mythologischen Traditionen,
die Reisen des Osiris und Hermes, der Ceres
und Triptoleme zur Ausbreitung der Kultur der Cerealien
deuten uns die allmähligen Wanderungen dieser Nahrungspflanzen
an, und immer gehen sie als Punkt der Abreise
Aegypten und Phönizien an.
Durch seine Untersuchungen glaubt sich übrigens
Herr Dureau de la Malle zu folgenden Schlüssen berechtigt:
1) Dass die Stadt Nysa das Vaterland des Weizens
und der Gerste sey, auch Scythopolis oder Bethsane geheissen
habe, und in dem Jordansthale lag.
2) Dass die Identität des Weizens und der Gerste,
die man ehemals in Aegypten und Palästina kultivirte,
mit unsern Cerealien gewiss ist.
3) Dass überhaupt das Jordansthal , die Kette des
Libanon, oder der Theil von Palästina und Syrien, der
an Arabien gränzt , mit einer grossen Wahrscheinlichkeit
als das Vaterland unserer Cerealien betrachtet werden
kann."
(J.H.Dierbach: Flora Mythologica, 1833)