Germer m, Veratrum, Gattung der Liliengewächse mit etwa 20 Arten in Eurasien und Nordamerika; kräftige, aufrecht wachsende Stauden mit dickem Rhizom, häufig längsfaltigen Blättern und meist kleinen, 6zähligen Blüten in endständigen Rispen.
Der in den Gebirgen Mittel- und Südeuropas heimische Weiße Germer (Veratrum album), eine bis 2 m hohe Staude, besitzt wechselständige, breit ovale Blätter und sternförmige, grünlichweiße Blüten in einem bis zu 60 cm langen Blütenstand. Er ist eine Charakterpflanze der voralpinen Flachmoore und ein Weideunkraut der Alpen, dessen Verbreitungsschwerpunkt im Rumicion alpini (Artemisietalia) liegt.
Sowohl der Weiße Germer als auch der in Südeuropa und Asien heimische, dunkelpurpurn blühende Schwarze Germer (Veratrum nigrum) sowie der im Norden der USA anzutreffende, gelblichgrün blühende Grüne Germer (Veratrum viride) sind giftig. Als Hauptwirkstoffe gelten die besonders in den Wurzeln und Wurzelstöcken vorkommenden Steroidalkaloide Protoveratrin A und B sowie Germerin (Veratrumalkaloide). Durch sie kann es nach Verzehr des Rhizoms (z.B. aufgrund einer Verwechslung mit dem Gelben Enzian) zu tödlichen Vergiftungen kommen (letale Dosis für den Menschen: etwa 20 mg Alkaloide, entsprechend 1–2 g der getrockneten Wurzel). Vergiftungssymptome sind Schleimhautreizung („Nieswurz“), zunehmendes Taubheitsgefühl, Erbrechen und Durchfall, Absinken der Körpertemperatur, Herz- und Atemstörungen, Blutdruckabfall, Kollaps.