Veratrum album
"Schon in der ältesten Zeit stand die Wurzel (der Wurzelstock) des beschriebenen Gewächses als Radix Hellebori ulbi (Weiße Nieswurzel) als kräftiges Heilmittel in Anselm. Der getrocknete Wurzelstock ist ziemlich dicht und schwer, 1—2 Zoll lang und etwa 1 Zoll dick, außerhalb runzlich und schwarz, innerhalb weißlich. Er zeigt zwar eben keinen merklichen Geruch, aber einen brennend-scharfen, bittern Geschmack, und bringt, wenn er pulverisirt wird, heftiges Niesen hervor. Im frischen Zustande fehlt indessen auch der Geruch nicht, sondern ist ein widriger. ...
Nach der innerlichen Aplication in größern Gaben sah man hei Menschen Brennen auf der Zunge, selbst Anschwellung und Lähmung derselben, Wundwerden des Mundes, Speichelfluss unter heftigem Brennen, Entzündung des Magens und der Eingeweide, Brand, Krämpfe, Ohnmächten, Wahnsinn und den Tod eintreten. Vergiftungsfälle sind viele bekannt. Diese heftige Wirkungen mahnen bei der Anwendung als Heilmittel zu großer Vorsicht. Daher wird die weiße Nieswurz jetzt wohl auch im Ganzen weniger als früher benutzt. Man kann sie gegen verschiedene auf Stockungen im Unterleibe gegründete Nervenkrankheiten, wie Epilepsie, Wahnsinn, Geistesstörung, ebenso gegen Wassersucht, Stockungen im Pfortadersystem mit Erfolg gebrauchen und auch äußerlich bei fressenden, chronischen Hautkrankheiten und als Niesmittel anwenden. Innerlich benutzt man das Pulver entweder allein von 1/2 Gran bis 6 Gr. und höher steigend, oder in Pillen. Auch bereitet man Aufgüsse und Abkochungen. Aeußerlich kommt das Pulver zu Niespulvern, zu verschiedenen Krätzsalben und zur Läusesalbe (Unguentum pediculorum)."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Dreizehnter Band, 1837)