"Gemeine Geissraute, Ziegenraute, Griesraute, Pockenraute, Fleckenkraut, Petechinkraut, Gänsekraut, Pestilenzkraut, Suchtkraut.
Wächst in einigen Gegenden Deutschlands, als in Österreich, Schlesien, Mecklenburg, bey Frankfurt a. d. O. und bey Helmstädt, ferner in der Schweiz, in Italien und Spanien, so wie auch im nördlichen Africa, auf Rainen, an schattigen Orten und auf feuchten Wiesen.
Blühet vom Julius bis in den September.
Ehedem sammelte man von diesem Gewächs das Kraut, welches man unter dem Nahmen Herba Gelegne aufbewahrte. Es ist geruchlos, dabey aber von schleimigem, etwas bitterm Geschmack. Man rechnet es mit zu den bittern Mitteln, wenn gleich die Bitterkeit nicht stark in demselben hervortrit. Man hielt es für schweißtreibend und wendete es bey Hautausschlägen an, woher auch der deutsche Nahme Fleckenkraut entstanden ist. Auch schrieb man ihm wurmtreibende Kräfte zu, ja man hielt es sogar für ein Mittel, den Biss giftiger Schlangen unschädlich zu machen. Es ließe sich noch mehreres von den Heilkräften, die man diesem Kraute zuschrieb, anführen, aber es fehlt überall an Bestätigung derselben; und da es, in Rücksicht seiner Wirkung, andern Mitteln nachsteht, so hat man es mit Recht gänzlich in Vergessenheit kommen lassen."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Sechster Band. 1855.)