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"[II.195. - Grosse Drachenwurz] - Arum dranunculus (Aroideae) - Grosse Drachenwurz
Die große Drakontia [Einige nennen sie Aron, Andere Isaron, Iaron, Hierakikos, Biaron, Armiagrion, Kyperis, die Römer Luruma, auch Mauriaria, Sigingialios] wächst an schattigen Zäunen. Sie hat einen dünnen, geraden, etwa zwei Eilen langen, stabdicken Stengel, bunt gefleckt, zu vergleichen mit einem Drachen, hat aber mehr purpuruntermischte Flecken. Die Blätter sind etwa lattichförmig, mit einander verwickelt. An der Spitze des Stengels entwickelt sie die traubenähnliche Frucht, zuerst ist sie aschfarben, bei der Reife wird sie safranfarbig und purpurrot. Die Wurzel ist von ansehnlicher Größe, rund, weiß, mit einer zarten Rinde. Sie wird gesammelt und zu Saft verarbeitet, wenn sie (die Frucht) beginnt, sieh dunkel zu färben, auch wird sie im Schatten getrocknet. Die Wurzel wird zur Zeit der Weizenernte gegraben, gewaschen, zerschnitten, auf Riemen gezogen und im Schatten getrocknet. Durch Mischung temperiert ist sie erwärmend. Sie wirkt aber geröstet und gekocht mit Honig als Leckmittel gegen Orthopnöe, innere Rupturen. Krämpfe, Husten und Katarrh. Mit Wein getrunken erweckt sie den Reiz zum Beischlaf. Mit Honig zerrieben und aufgelegt reinigt sie bös- artige und krebsige Geschwüre, am besten mit weißer Zaunrübe. Auch werden aus ihr mit Honig Kollyrien für Fisteln und zum Holen der Leibesfrucht gemacht. Mit Honig eingestrichen hilft sie gegen weiße Flecken; sie räumt Polypen und Carcinome weg. Aber auch ihr Saft ist wirksam in Augenmitteln gegen Flecken, gegen Leukome und Nebel auf den Augen. Der Geruch der Wurzel und des Krautes tötet den Fötus der im ersten Stadium Schwangeren, ebenso dreißig Körner der Frucht mit Essigwasser genommen. Einige haben auch den Saft derselben mit Öl den Ohrenleiden eingeträufelt; die Blätter als adstringirendes Mittel haben sie auf frische Wunden gelegt, legen sie in Wein gekocht auch Frostbeulen. Es heißt auch, dass diejenigen, welche dieselben mit den Händen zerreiben oder die Wurzel bei sich tragen, von der Viper nicht verwundet werden."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)