"[I.10. - Phu] - Valeriana dioscorides oder Valeriana officinalis (Valerinaceae) - Gemeiner Baldrian
Das Phu - Einige nennen auch dieses wilde Narde - wächst in Pontus und
hat Blätter ähnlich denen der wilden Pastinake oder des Pferdseppich,
einen ellenlangen oder höheren Stengel, glatt, weich, etwas purpurfarbig,
innen hohl und durch Gelenke etwas abgetheilt. Die Büthe kommt auf die
der Narde hinaus, ist aber grösser und zarter und vom weissen Grunde aus
purpurartig gefärbt. Die Wurzel hat am oberen Theile die Dicke des kleinen
Fingers, sie hat aber daran querlaufende Würzelchen wie etwa die Binse
oder die schwarze Nieswurz, unter einander verflochten, gelblich, wohlriechend,
an Duft der Narde ähnelnd, aber mit einer gewissen stinkenden Strenge.
Trocken genommen hat es die Kraft, zu erwärmen und den Urin zu treiben;
auch seine Abkochung leistet dasselbe und wirkt gegen Seitenschmerz.
Es befördert die Katamenien und wird den Gegengiften zugemischt. Es wird
verfälscht durch Beimengung der Wurzeln der Stachelmyrte; ihre Erkennung
ist aber leicht, denn sie sind härter und schwerer zu zerbrechen und ohne
Wohlgeruch."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)