"Wintergrünöl: Unter der Bezeichnung Wintergrünöl laufen 3 Produkte unterschiedlicher Herkunft, wenn auch ähnlicher Zusammensetzung: 1) dasa aus Blättern von Gaultheria procumbens durch Wasserdampfdestillation gewonnene ätherische Öl, 2) das aus der Rinde von Betula lenta ebenfalls durch Wasserdampfdestillation gewonnene Öl, 3) synthetisches Methylsalicylat.
Die natürlichen Wintergrünöle sind in ihren Dufteigenschaften wegen des Vorkommens zahlreicher Neben- und Spurenstoffe der Monosubstanz überlegen. Synthetisches Methylsalicylat wird äußerlich in Salben und Linimenten als hyperämisierendes Mittel verwendet. Für kosmetische Produkte und als Zusatz für Mundpflegemittel bevorzugt man hingegen die natürlichen Wintergrünöle.
Das Öl von Gaultheria procumbens ist eine farblose oder schwach gelb gefärbte Flüssigkeit mit einem typischen phenolischen Geruch. Es enthält 96-99% Methylsalicylat neben kleinen Mengen Önanthalkohol, der für das charakteristische Aroma durch das sich Wintergrünöl von synthetischem Methylsalicylat unterscheidet, verantwortlich ist. Der Geschmack ist süß, warm und aromatisch. Während Gaultheria-procumbens-Öle kaum noch in den Handel gelangen, wird Betula-lenta-Öl noch verwendet. Es enthält ebenfalls über 98% Methylsalicylat. Die beiden Produkte lassen sich aber geruchlich deutlich unterscheiden.
Wintergrünöle dienen zum Aromatisieren von Mundpflegemitteln. In den USA sind Wintergrün-Krauseminz-Typen zum Aromatisieren von Mundwässern, Zahnpasten und Kaugummis sehr beliebt. In Europa bevorzugt man reine Pfefferminz- und Pfefferminz-Nelken-Typen. Als unerwünschte Nebenwirkungen können Allergien vom Soforttyp nach Verwendung von Linimenten, Zahnpasten und Lutschbonbons mit Methylsalicylat auftreten. Akute Vergiftungen sind nur nach Einnahme größerer Mengen des reinen Arzneistoffes beobachtet worden. Die täglichee Zufuhr von 0,5mg/kg KG ist unbedenklich."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)