"Noch weit mehr Streitigkeiten als die vorige Pflanze Veranlagte die Deutung des schwarzen Elleboros der Alten, sie sind aber heut zu Tage fast gänzlich vergessen , auch würde es wenig Nutzen bringen wieder auf sie zurück zu kommen, indem gegenwärtig fast allgemein eine von Tournefort zuerst entdeckte Pflanze, Helleborus orientalis Lam. oder H. officinalis Salisb. et Sibth. für den wahren schwarzen Elleboros der Alten gehalten wird. Sibthorp fand ihn häufig um Konstantinopel auf den Bergen um Thessalonika , um Delphi, auf dem Athos und Olymp.
Der weiße Elleboros war, wie wir gesehen haben, das gebräuchlichste Brechmittel, und fast eben so oft wurde der schwarze als Purgirmittel angewendet. Dies kann man schon aus den Schriften des Pausanias entnehmen. — Damit stimmt auch Hippokrates überein , indem er 7l ) den schwarzen Elleboros dann empfiehlt, wenn der Schmerz sich unter dem Zwergfell befinde und keine Gefahr drohe. Man soll ihm Daukos, Seseli , Kyminon , Anis oder sonst etwas wohlriechendes zusetzen. Er vergleicht dessen Wirkung mit der des Peplion, doch eröffne er besser und trage auch mehr zur Crisis bei, doch linderten beide die Schmerzen. Indessen kommt doch eine Stelle vor, aus der hervorzugehen scheint der schwarze Elleboros habe auch als Brechmittel gedient. Sonst wurde er besonders gegen Melancholie angewendet als gegen Wassersucht des Uterus, gegen Starrkrampf, wo er mit Pfeffer und Hühnerbrühe gegeben werden soll . Mit Myrrhe und Wein verordnete man ihn zur Austreibung des Foetus . Im Anfange der Lungenschwindsucht soll man ihn in so geringer Gabe reichen, dass er nicht auf den Stuhlgang wirkt, später aber soll davon so viel als man mit zwei Fingern fassen kann in süßem Wein infundirt, genommen werden . Bei Seitenschmerzen soll man ein Dekokt des Elleboros, auch im Anfang, wenn der Schmerz noch sehr heftig ist, gebrauchen . Man kannte damals schon das später durch Conrad Gesner so gepriesene Mel elleboratum. Auch äußerlich wurde der Elleboros besonders seiner Schärfe wegen angewendet, und zwar brauchte man ihn in Pulver bei Nasenpolypen, nachdem vorher eine Oeffnung durch Brennen gemacht worden war , man streute das sehr feine Pulver überhaupt ein, um scharfe fressende Feuchtigkeiten in, Geschwüren aufzusaugen , auch bei Hämorrhoiden wurde der Elleboros äußerlich angewendet , sonst diente er in Verbindung mit Sandarak und andern metallischen Mitteln als Aezmittel , deshalb machte er auch einen Bestandtheil des Mittels aus, das zum Einstreuen in schlimme Geschwüre gebraucht wurde . Endlich wurden Stücke der Wurzel in Wolle eingewickelt als Mutterkränze gebraucht."
(J.H.Dierbach: Die Arzneimittel des Hippokrates, 1824)