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"[II.193. - Erdscheibe] - Cyclamen graecum (Primulaceae) - Griechische Erdscheibe
Der Kyklaminos [Einige nennen ihn Kissanthemon, Andere Kissophyllon, Chelonion, Ichthyotheron, Chyline, Zoroaster nennt es Trimphalites, Osthanes Aspho, die Propheten nennen es Miaspho, die Ägypter Theske, die Römer Rapum terrae, auch Umbilicus terrae und Arcara] hat Blätter ähnlich so wie der Epheu, unterwärts bunt, Oberwerts weißlich gefleckt, einen vier Finger langen nackten Stengel, auf dem die rosenartigen purpurfarbenen Blüten sitzen, eine schwarze, etwas abgeplattete, einer runden Rübe ähnliche Wurzel. Wird diese mit Honigmeth getrunken, so führt sie Schleim und Wasser nach unten ab, auch befördert sie, getrunken und in Zäpfchen eingelegt, die Katamenien. Es heißt, dass eine schwangere Frau, wenn sie über die Wurzel hinwegschreitet, eine Fehlgeburt macht; umgebunden beschleunigte sie die Geburt. Sie wird auch mit Wein gegen tödliche Gifte genommen, am meisten gegen den Meerhasen; ebenso ist sie als Umschlag ein Gegenmittel gegen Schlangenbisse. In den Wein gemischt macht sie trunken; in der Gabe von 3 Drachmen heilt sie die Gelbsucht, wenn sie mit süßem Wein oder verdünntem Honigmeth getrunken wird. Wenn man sie nimmt, muss man aber in einem warmen [dem Winde nicht ausgesetzten] Gemache niederliegen und sich reichlich mit Gewändern zudecken, so dass man schwitzt; den ausgeschiedenen Schweiss aber findet man von gallenartiger Farbe. Ihr Saft, mit Honig in die Nase injiziert, reinigt den Kopf. Mit Wolle wird er in den After als Zäpfchen eingelegt zur Beförderung der Ausscheidungen. Wenn derselbe auf den Nabel, auf den Unterleib und die Lenden gestrichen wird, so erweicht er den Bauch und bewirkt Fehlgeburten. Ferner dient der Saft mit Honig zum Einträufeln bei triefenden und stumpfsichtigen Augen; er wird auch den Mitteln zum Abtreiben der Leibesfrucht zugesetzt. Mit Essig eingeschmiert bringt der Saft den vorgefallenen Mastdarm zurück. Der Saft wird aus der Wurzel bereitet, indem sie zerstoßen und ausgepresst und die Flüssigkeit bis zur Honigkonsistenz eingekocht wird. Die Wurzel reinigt ferner auch die Haut und beseitigt Hautausschlag, ebenso heilt sie mit Essig Wunden [auch für sich allein und mit Honig]. Als Umschlag erweicht sie die Milz, entfernt Sonnenbrandflecken und (heilt) die Fuchskrankheit. Ihre Abkochung leistet als Bähung bei Verrenkungen und Podagra, sowie bei kleinen Geschwüren an den Schenkeln und bei Frostbeulen gute Dienste. Wird ferner die Wurzel mit altem Öl erhitzt, so fahrt die Einsalbung des Öls Vernarbung herbei; sie wird ausgehöhlt, mit Oel gefüllt und in heisse Asche gelegt, zuweilen wird auch etwas tyrrhenisches Wachs zugegeben, damit es consistenter wird, dann ist es die beste Salbe filr Frostbeulen. Die zerschnittene Wurzel wird aufbewahrt wie die Meerzwiebel. Man sagt, daso die gestoßene Wurzel auch zu Liebesmitteln gebraucht werde, indem sie zu Pastillen geformt wird. Sie wächst an schattigen Orten, am liebsten unter Bäumen."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)