"Galgan. [Galanga A. A.] (Alpinia Galanga.) Der
Galgant ist ganz warm und wirksam. Gegen üblen Mundgeruch
wendet die Verf. ein Pulver an, bestehend aus gleichen Theilen
Galgant und Fenchel mit zweimal so viel Muskatnuss und Bertram,
von dem zwei Drachmen (nummi) mit einem Stückchen Brot täglich
nüchtern genommen werden soll; dann werde warmer Wein
nachgetrunken; auch möge man nüchtern oder bei der Mahlzeit
wohlriechende Kräuter essen. Nachdem sie (nach der A. A.) bei
diesem Capitel einen Speisezettel bei Lungenkrankheiten gegeben
hat, wobei auch das Bier und der Wein nicht fehlen, verordnet
sie gegen die schädlichen Einflüsse verdorbener Säfte in den Eingeweiden
und in der Milz wobei durch Mitleidenschaft des Herzens
Melancholie mit ihren Plagen sich eingestellt, Folgendes: Man nehme
gleiche Theile Galgant und Pyrethrum und den vierten Theil eines
Jeden derselben weissen Pfeffer, oder wenn man keinen Pfeffer hat,
statt dessen viermal das Gewicht des Pfeffers, Pfeffertruch, (auch
Peffertruch, es wird als Lepidium latifolium angesprochen;
nun kommt auch Pfefferkraut vor; entweder müssen alle
drei Namen dieselbe Pflanze bedeuten oder der lateinische Name
Lepid. latifol. kommt nur dem letzteren dem Pfefferkraut zu und
die beiden andere bleiben unbestimmt, denn sie auf Satureja
hortensis zu beziehen, geht nicht an, da diese Pflanze als Satereya aufgeführt wird, mache daraus eim Pulver, gebe Bohnenmehl
hinzu und den Saft von Foenumgraecum. Ohne Zusatz irgend
welcher anderen Flüssigkeit formire man daraus Hörnchen (tortellas),
die an der Sonne getrocknet werden. Man besorge dies im
Sommer, wo die Sonne scheint, Um sie für den Winter vorräthig
zu haben. Diese Hörnchen sollen bei der Mahlzeit und auch nüchtern
genossen werden. Darauf soll zur Beschwichtigung der Herzschmerzen ein Trank gegeben werden aus Süssholz mit der fünffachen
Menge Fenchel und Zucker, denen etwas Honig zugesetzt ist. Gegen
Brust-, Herz-, Milzleiden und Magenerkältung (Magenverschleimung)
nehme man Galgant, zweimal so viel Dost und Selleriesamen nebst
etwas weissem Pfeffer, pulvere alles und mache mit etwas gekochtem
Honig daraus eine Latwerge und zwar bei gelinder Wärme.
Endlich wird der Galgant in einer sehr complicirten Pulvermischung
gegen Paralyse empfohlen."
(Hildegard von Bingen: Physica (Liber simplicis medicinae), 1150 - 1160)