"Sie bilden eine eigene natürliche Pflanzenfamilie (Tamariscineae Desveaux), und bestehen grossentheils aus Sträuchern oder Bäumen, die in Asien und Afrika zu Hause sind. Europa besitzt deren nur wenige Species, Tamarix germanica L., die am Rhein und der Donau, Tamarix gallica L., die in Frankreich, Italien u.s.w. vorkommt. Die Tamarisken nehmen sich für das Auge sehr gut aus; sie haben grossentheils ruthenförmige Aeste, kleine, schuppenförmige, immergrüne Blätter, wodurch sie sich den Heiden (Ericae) nähern ; ihre zierlichen weissen oder röthlichen Blumen sind entweder in Aehren zusammengedrängt oder sie bilden ansehnliche Rispen. Zu unterscheiden ist aber:

1) Die Tamariske des Apoll; Tamarix gallica L., die durch ganz Griechenland an feuchten Orten wild wächst.

2) Die Tamariske des Osiris; Tamarix orientalis L. Nach Prosper Alpin, der diesen letzteren Raum schon im 16. Jahrhunderte beschrieb, erreicht er in Aegypten eine ansehnliche Höhe und wird so gross, wie eine Olive, ja selbst wie eine Eiche ; er ist in jenen Gegenden ein höchst wichtiges Produkt, indem er für ganz Aegypten und Arabien das Brennholz und die Kohlen liefert. Die Blätter sind immergrün und borstenartig; die Aegyptier gebrauchen sie gegen Verhärtung der Milz und lassen die an diesem Uebel Leidenden aus Gefässen trinken, die aus Tamariskenholz gefertigt sind. Sehr häufig findet man auf diesem Baum harte, runde, holzige Auswüchse, die offenbar von Insekten herrühren und , gleich den Galläpfeln der Eichen, sehr adstringirend sind; mit Unrecht wurden sie von den Alten für Früchte des Baumes gehalten.
Den Lesbischen Apoll findet man mit einem Tamariskenzweig in der Hand dargestellt ; auch hiess er, wie Archeus erinnert, Apollo Myriceus ; denn Myrice bedeutet im Griechischen, was Tamarix im Lateinischen, und die Pflanze dieses Namens war, wie Metrodorus sagt, schon im höchsten Alterthume bekannt. Nicander nennt die Tamariske die prophetische, weil man sich ihrer bei den Weissagungen oder Orakeln bediente.
Die Magier bei den Medern und Scythen hielten, wenn sie ihre prophetischen Künste übten, Tamariskenzweige in den Händen, welcher Gebrauch auch noch bei andern Völkern beobachtet wurde, wie denn Herodot bezeugt, dass verschiedene Nationen zu ähnlichen Zwecken sich der Zweige des Tamarix bedienten. Die ägyptischen Priester pflegten sich, nach dem Zeugnisse des Plinius, mit Tamarisken zu bekränzen, wenn sie das Fest des Zeus begingen. Die Priester oder Magier der Cappadocier hielten allezeit Tamariskenzweige in den Händen, wenn sie ihr Gebet verrichteten u. s. w.
Die Mythe von dem im Sarge liegenden Osiris, der nachher in einen Baumstamm eingeschlossen wurde, ist schwerlich auf eine Heide oder Erica zu deuten; jener Sarg lag im Schilfe bei der Stadt Byblos in Aegypten, wo keine Heide wächst, selbst nicht Erica cinerea oder E. scoparia oder Erica arborea, worauf Schreber aufmerksam machte . ..... so dass es wahrscheinlich ist: es seyen so ähnliche Pflanzen, wie Tamarix gallica und T. orientalis ihnen gewidmet worden, die man im Alterthum wohl für einerlei Art gehalten haben mag.
Die Tamarisken sind auch noch darum merkwürdig, weil sie es sind, welche den Kindern Israel nach ihrem Auszuge aus Aegypten die Manna in der Wüste lieferten.
Flüsse darstellende Statuen findet man öfters mit Tamariske gekrönt , wahrscheinlich weil diese Gewächse allezeit nur an den Ufern derselben Vorkommen.
Betrüger und Verläumder liess der sicilische Gesetzgeber Charondas mit Myrica bekränzt durch die Städte führen, und es war also dort dieser Strauch ein Symbol der Schande und der Nichtswürdigkeit."
(J.H.Dierbach: Flora Mythologica, 1833)