Frauenmantel, Alchemilla, Gattung der Rosengewächse, deren krautige, ausdauernde Vertreter hauptsächlich gebirgige Gegenden der gesamten Holarktis besiedeln. Den winzigen, gelbgrünen, in doldigen Rispen oder Knäueln stehenden Blüten fehlen die Kronblätter. Aufgrund der Fähigkeit, nach Hybridisation Embryonen ohne vorherige Befruchtung (Apomixis) zu bilden, herrscht große Formenvielfalt, die systematische Schwierigkeiten bereitet. Artenzahlangaben schwanken von 200 bis über 1000.
Sammelarten sind u.a. der Alpen-Frauenmantel (Alchemilla alpina), der in Silicatmagerrasen der subalpinen und alpinen Stufe vorkommt; der Silbermantel (Alchemilla conjuncta) und der Gewöhnliche Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) mit ca. 40 schwer unterscheidbaren Kleinarten, die häufig auf Bergweiden wachsen. Am Grunde des rundlichen, mehr oder minder gelappten Blattes findet man oft einen großen Wassertropfen. Er wird durch das Zusammenfließen vieler, an den Blattzähnchen aus Hydathoden (Wasserspalten) austretenden Tröpfchen (Guttation) gebildet.
Von Alchemilla wurde die Gattung Aphanes (Ackerfrauenmantel, Sinau) abgetrennt. Sie unterscheidet sich von Alchemilla durch ihre Einjährigkeit (statt Mehrjährigkeit) und durch die achselständigen (statt endständigen) Blütenknäuel. In Mitteleuropa kommen 2 nahe miteinander verwandte, seltene Arten vor, die beide 3–5fach gelappte Blätter besitzen. Aphanes arvensis (früher Alchemilla arvensis) blüht wegen ebenfalls fehlender Kronblätter nur unscheinbar von Mai bis September und siedelt auf tonigen bis lehmigen Äckern. Sie ist Kennart des Unterverbandes Aphanenion arvensis (Aperetalia spicae-venti). Nahe verwandt ist die kleinblütigere, sandige Äcker bevorzugende Art Aphanes microcarpa (früher Alchemilla microcarpa).
Verschiedene Arten der Gattung, insbesondere der Großblättrige Frauenmantel (Alchemilla mollis), der häufig der Sammelart Alchemilla vulgaris zugeordnet wird, sind wegen ihrer dekorativen Blätter und Blütenstände als Gartenpflanzen beliebt. Sie eignen sich als Bodendecker oder finden als Schnittblumen Verwendung. Der an Gerb- und Bitterstoffen reiche Gewöhnliche Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) ist eine alte Volksheilpflanze, der adstringierende, entzündungshemmende und wundheilende Eigenschaften zugesprochen werden (Anwendung u.a. bei Magen- und Darmbeschwerden).