"Synaw würt mit andern namen Löwentapen / oder Löwenfuß / unn Unser frawen mantel genent. In Lateinischer spraach ist sie zu unsern zeiten Pes leonis / unnd Planta leonis / von dem Teütschen her geheyssen / darumb das seine bletter rund unn breyt seind einem löwenfuß gleich. Es würt auch von ettlichen Alchimilla oder Achimilla genent. Ob aber den allten sölchs kraut sey bekant gewesen / kan ich noch nit wissen.
Synaw ist ein kraut mit runden / breyten und zusamen gefallten blettern / die seind ringßumbher doch nit seer tieff zerkerfft / mit acht spitzen wie ein stern oder wie ein auffgethoner löwenfuß. Die styl darauff dise bletter steen kommen von stunden an auß der wurtzel / von welcher wachsen auch dünne runde stengelin anderhalb spannen lang / die seind mit kleinern blettern besetzt biß oben hinauß. Am gipffel derselben wachsen gantz kleine drausselechte grüngeele blümlin / die werden zu kleinem samen / nit grösser dann der Magsamen / von farben ein wenig geel / in grüne heüßlin verschlossen. Die wurtzel ist fingers lang / aber dicker dann ein finger / zasecht / außwendig schwartz und rotlecht / mit vilen zaseln.
Synaw wechßt gern in graßechten ortten / auff ettlichen waldwisen / und so in der höhe gelegen.
Synaw kompt im Meyen herfür / blüet aber im Brachmonat.
Synaw / dieweil sie seer zusamen zeücht und am geschmack rauch ist / würt on allen zweifel kalt und trucken sein. Dieweil sie aber auch ein wenig bitter ist / kan sie nit seer külen. Ist aber im andern / oder biß in den dritten grad trucken.
Synaw ist der rechten wundtkreüter eins / dann es zu heylung allerley wunden /
brüch im unn ausserhalb des leibs seer nützlich ist. In wasser oder wein gesotten unnd die wunden darmit gewäschen /
heylet sie dieselbigen. Man mag auch ein tüchlin darinn netzen und überschlagen / hat gleiche würckung.
Das kraut unnd wurtzel in wein gesotten unnd getruncken / heylen die innerlichen wunden unnd brüch.
Und ob ein kind gebrochen wer / so man jhm disen tranck zu trincken gibt / würde es darvon heylen.
Man mag auch gedachts kraut unnd wurtzel dörren unnd zu pulver stossen / nachmals zu pflastern / salben /
und dergleichen artzneyen brauchen. Synaw gesotten in wasser und über die brüst der frawen unn jungfrawen gelegt /
macht dieselbigen hert / vest unnd starrend. Synaw bletter über die hitzigen geschwulst gelegt /
benimpt den schmertzen / lescht die hitz / unnd den brandt. In summa /
diß kraut sollen jhn die wundärtzt und scherer wol lassen befolhen sein / und dasselbig theür achten."
(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)