"[Grosses Kentaurion] - Centaurea centaurium (Compositae) - Centaurenkraut, Grosses Goldkörbchen
Das große Kentaurion, welches Einige Narke nennen [Andere Limnesion, Marone, Pelethronion, Cheironias, Limnestis, die Propheten Blut des Herakles, die Römer Phierrei, Unefera, Phellerae], hat Blätter denen des Nußbaumes ähnlich, länglich, grün wie der Kohl, ihr Rand ist eingeschnitten wie eine Säge. Einen Stengel hat es wie der Ampfer, zwei bis drei Ellen hoch, mit vielen Nebenschössen aus der Wurzel, an denen mohnähnliche, länglichrunde Köpfe sitzen. Die Blüte ist blau, die Frucht ähnlich der des Saflors, gleichsam eingehüllt von den wolligen Blüten. Die Wurzel ist dick, fest, schwer, an zwei Ellen lang, saftreich, scharf, zugleich etwas adstringierend und süßlich, rötlich, ebenso ist der Saft rot. Sie liebt fetten, gut besonnten Boden, Gehölze und Hügel. Sehr häufig ist sie in Lykien und im Peloponnes, in Elis, Arkadien und Messene, am Pholoë, Lykaion und um Smyrna. Die Wurzel ist ein gutes Mittel bei inneren Rupturen, Krämpfen, Seitenstechen (Pleuritis), Atemnot, altem Husten und Blutauswurf; den Fieberfreien wird die Wurzel zu 2 Drachmen mit Wein, den Fiebernden mit Wasser gegeben. Sie dient gleichfalls gegen Leibschneiden und Gebärmutterschmerzen. Sie befördert die Menstruation und treibt die Frucht aus, wenn sie geschabt und in Kollyrionform an die Gebärmutter gelegt wird. Der Saft leistet dasselbe. Sie ist auch ein Wundmittel, wenn sie frisch zerstoßen, trocken aber, wenn sie vorher angefeuchtet und dann zerstoßen wird; denn sie verbindet und verklebt. Auch das gekochte Fleisch bindet sie, wenn man sie zerstößt und mitkocht. Die, welche in Lykien ihren Saft auspressen, wenden ihn statt des Lykions an. [Sie ist aber auch als Panacee gerühmt, da sie als Allheilmittel alle von Entzündung begleiteten Leiden beschwichtigt und sowohl Stosswunden als auch in der Injektion Harnzwang und Steinschmerzen heilt. Sie wird gesammelt, wenn die Sonne aufgehen will, zur heiligen Stunde, wo Alles in Erfüllung geht.]"
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)