Synonyme: Anethum faeniculum, Anethum foeniculum, Anethum rupestre, Feniculum commune, Foeniculum azoricum, F. capillaceum, F. dulce, F. foeniculum, F. officinale, F. panmorium, F. sativum, Ligusticum divaricatum, L. foeniculum, Meum foeniculum, Ozodia foeniculacea, Selinum foeniculum;
Gemeiner Fenchel, Fennekel, Fennichl, Fennkol
Historisches: Der Fenchel ist dank seines angenehmen Geschmacks und Geruchs schon im Altertum als Heil- und Gewürzpflanze überall bekannt gewesen. Ihm entspricht das marathron des Theophrast und des Dioskurides sowie das foeniculum des Plinius. Kraut und Früchte sollten die Milchabsonderung befördern, die Wurzeln fein zerstoßen und mit Milch getrunken sollten den Biß eines tollwütigen Hundes heilen, die Abkochung der Stengel sei für Blasen- und Nierenleiden zuträglich. Auch bei den alten Ägyptern, Arabern und Chinesen war die Pflanze bekannt. Im Mittelalter wurde der Fenchel in allen Kräuterbüchern genannt, ebenso im Capitulare de villis Karls des Großen; Hildegard von Bingen behandelt ihn ebenfalls eingehend in ihren Schriften. Der Haupteinsatz bezieht sich auf die Schleimlösung, die Behandlung von Verdauungsbeschwerden und Katarrhen sowie auf die Nutzung als Diuretikum und als Lactagogum. Der Gattungsname Foeniculum ist vom lateinischen foenum (Heu) abgeleitet und deutet auf die beim Welken und Trocknen schmalen, heuartig aussehenden Blattzipfel hin.
Drogen: 1. Foeniculi aetheroleum (syn. Oleum Foeniculi); Fenchelöl (syn. Ätherisches Fenchelöl), das äther. Öl aus den Fenchelfrüchten.
Inhaltstoffe: je nach verwendeter Subspecies und Varietät der Stammpflanze werden 4 Fenchelöle mit unterschiedlicher Zusammensetzung beschrieben: a) Bitterfenchelöl von ssp. vulgare var. vulgare mit 50-75 % trans-Anethol, 12-33 % Fenchon, 2-5 % Estragol, α-Pinen, Limonen; b) Süßfenchelöl von ssp. vulgare var. dulce mit 80-90 % trans-Anethol, 1-10 % Fenchon, 3-10 % Estragol, Limonen > α-Pinen; c) Anetholfreies Öl von ssp. vulgare var. vulgare mit 10-30 % Fenchon und 50-80 % Estragol; d) Australisches Wild-Fenchelöl mit 10-20 % trans-Anethol, 10-20 % Fenchon und 55-65 % Estragol. Weitere Bestandteile unabhängig von der Varietät sind u.a. Camphen, p-Cymen, Myrcen, α- und β-Phellandren, β-Pinen, Sabinen, γ-Terpinen und Terpinolen sowie Kohlenwasserstoffe.
2. Foeniculi fructus (syn. Fructus Foeniculi, Foeniculum), Fenchelfrüchte, die getrockneten reifen Früchte. Je nach verwendeter Varietät wird auch die Droge spezifiziert: a) Bitterfenchel; Foeniculi amari fructus (syn. Fructus Foeniculi amari); Fenchel (syn. Bitterer Fenchel, Deutscher Fenchel, Dunkler Fenchel, Wilder Fenchel).
Inhaltstoffe: äther. Öl (3-8,5 %, Zusammensetzung s. Foeniculi aetheroleum), Phenolcarbonsäuren (v.a. als Chinasäurederivate oder Glykoside), Spuren von Cumarinen und Flavonoiden, fettes Öl (9-21 %, v.a. Triglyceride). b) Süßfenchel; Foeniculi dulcis fructus (syn. Fructus Foeniculi dulcis, Fructus Foeniculi kretici, Foeniculum dulce); Süßer Fenchel (syn. Gewürzfenchel, Französischer Fenchel, Kretischer Fenchel, Römischer Fenchel, Mazedonischer Anis). Inh.: äther. Öl (0,8-3 %, Zusammensetzung s. Foeniculi aetheroleum), Phenolcarbonsäuren (v.a. als Chinasäurederivate oder Glykoside), Spuren an Cumarinen und Flavonoiden, fettes Öl (9-21 %, v.a. Triglyceride).