"Fenchel - Dill, Fenchel, gemeiner Fenchel, süßer Fenchel.
Wächst in den südlichen Ländern Europens, z. B. in Narbonne, Bretagne, Madera, auf Kreidenfelsen; kommt aber auch in mehreren Gegenden Deutschlands gleichsam wild in Küchengärten und Weinbergen vor.
Blühet im Junius und Julius.
Man hat von diesem Gewächs, dem des Theophrast und Dioscorides, Wurzeln und Kraut, Radices et Herba Foeniculi , vorzüglich aber die Früchte unter dem Nahmen des Samens, Semen Foeniculi, in den Arzneyvorrath aufgenommen.
Der sogenannte Same enthält viel mildes ätherisches Öhl, und gehört zu den ermunternden, gelinde reizenden, blähungstreibenden, krampflindernden Mitteln. Seine milchvermehrende Eigenschaft ist vielleicht den Samen oder Früchten der meisten Doldengewächse eigen, da sie alle reizende Kräfte besitzen, durch welche der Umlauf der Säfte vermehrt wird. — Die Wurzeln sind noch milder oder weniger erwärmend von Geschmack, als die sogenannten Samen; dagegen aber süßer. In ältern Zeiten kamen sie mit zu den fünf größern eröffnenden Wurzeln, Radices quinque aperientes majores. — Das Kraut ist noch schwächer als die Wurzeln, und wird nach dem Trocknen unwirksam, daher es auch wenig im Gebrauche ist. Durch die Destillation mit Wasser scheidet man aus den sogenannten Samen ein ätherisches Öhl, Oleum Foeniculi aethereum. Es ist weiß , süßlich und erstarrt bey einem sehr geringen Grad von Kälte. — Auch hat man ein destillirtes Wasser, Aqua Foeniculi, so wie auch ehedem den überzuckerten Fenchel, Confectio Foeniculi, dessen Bereitung und Verkauf man jetzt aber lieber dem Conditor überlässt."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Siebenter Band. 1855.)