"Eukalyptusöl und Eukalyptol: Mehrere von den etwa 500 bekannten Eukalyptusarten liefern Eukalyptusöle. Einige enthalten Piperitenon, andere Citronellal oder Linaool/Linalylacetat als Hauptkomponente. Sie werden vornehmlich in der Riechstoffindustrie verwendet. Arten oder Unterarten deren Öl einen Mindestgehalt von 70% Eukalyptol aufweist, liefern Eukalyptusöle, welche pharmazeutisch verwendet werden bzw. pharmakopöengerecht sind.
Im Handel unterscheidet man: 1) Eucalyptus-globulus-Öl: wird durch Wasserdampfdestillation aus den Blättern von Eucalyptus globulus gewonnen; kommt aus Spanien und Portugal, wo das Holz von der Zelluloseindustrie verwertet wird, sodass große Mengen destillierbares Material anfallen. 2) Australisches Eukalyptusöl: wird aus den frischen Blättern und Zweigen mehrerer in Australien heimischer Eukalyptusarten, wie Eucalyptus smithii, E. polybractea, E. viridis und weiterer Arten gewonnen.
Eukalyptol erhält man aus cineolhaltigen Ölen durch Ausfrieren mittels Kältemischung oder durch fraktionierte Destillation.
Eukalyptusöl ist eine farblose bis schwach gelb gefärbte Flüssigkeit. Der Geruch ist aromatisch-kampferartig, der Geschmack zuerst brennend-kampferartig, später kühlend. Rektifizierte Eukalyptusöle enthalten hptsl. Eukalyptol (70-80%), neben Pinen (etwa 12%), Borneol und Myrtenol. Die im nichtrektifizierten Öl enthaltenen Aldehyde sind wegen ihrer Reizwirkung auf die Atemwege unerwünscht.
Eukalyptusöl und Eukalyptol haben antiseptische Eigenschaften. Nach oraler Gabe dürfte das Öl nahezu quantitativ resorbiert werden; die Ausscheidung erfolgt zum Teil über die Lunge, kenntlich daran, dass die Atemluft nach Eukalyptus riecht. Ein anderer Teil wird nach oxidativer Metabolisierung mit dem Harn ausgeschieden, der einen an Veilchen erinnernden Duft annimmt. Orale GAben (0,06-0,2ml mehrmals täglich) verwendet man zur Behandlung der chronischen Bronchitis. Eukalyptusöl, besser aber reines Eukalyptol, können auch inhalativ angewendet werden. Der Effekt dürfte jedoch stark von der Inhalationsform abhängen.
Wasserdampfinhalation: Einige wenige Tropfen werden in siedendes Wasser gegeben und die aufsteigenden Dämpfe eingeatmet. Wasserfreie, mit Glykol bzw. Propylenglykol verdünnte Lösungen von Eukalyptusöl oder Eukalyptol können in einem Trockeninhalationsgerät vernebelt werden. Wahrscheinlich lässt sich damit bei Erkrankungen der Luftwege, die mit einer vermehrten Schleimabsonderung einhergehen, eine Verminderung des Sekrets erzielen. Eukalyptusöl und Eukalyptol sind häufig Bestandteil der sog. Erkältungsbalsame oder Erkältungssalben. Weiters finden sie Anwendung als Mund- und Rachentherapeutikum und als Bestandteil von Nasentropfen.
Bei Bronchitiden mit spastischer Komponente kann sich der Zustand u.U. objektiv verschlechtern. Bei kutaner Anwendung wurden gelegentlich Dermatitiden beobachtet. Gaben ab 3,5 ml können tödlich sein; die mittlere tödliche Dosis beträgt allerdings 21 ml. Vergiftungssymptome sind Übelkeit, Erbrechen, Miosis, Tachykardie, Erstickungsgefühl, Zyanose und Krämpfe."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)

"Eukalyptusblätter: bestehen aus den getrockneten Blättern eukalyptolreicher Formen von Eucalyptus globulus. Die Droge riecht beim Zerreiben kräftig aromatisch wie Eukalyptusöl. Sie schmeckt zusammenziehend und etwas bitter. INhaltsstoffe sind Ätherisches Öl, Gerbstoffe, Phenolkarbonsäuren, Flavone und Triterpensäuren."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)