"Erenbreiß würdt sonst auch Grundtheyl genent / von wegen seiner treffenlichen krafft unnd würckung / so es hat in heylung der wunden und geschwären. Zu Latein würt es yetzund allenthalben Veronica geheyssen.
Des Erenbreiß ist zweyerley geschlecht / mennle unnd weible. Beyder aber underscheyd wöllen wir in der beschreibung jhrer gestalt / gnugsam anzeygen.
Erenbreiß mennle fladert hin und wider auff der erden mit seinen dünnen rotlechten rütlin / unnd harigen stengelin. Die bletter seind langlecht / schwartzgrün / harig / unn mit reynen zarten kerflin zerschnitten. Die blümlin seind klein / blaw milchfarb / und ein wenig mit purpur vermengt. So die vergangen / gewindt es kleine täschlin / darinn ist seer kleiner samen verschlossen. Die wurtzel ist dünn mit vilen zaseln. Das weible kreücht auch mit seinen dünnen harigen stengeln auff der erde / die bletter seind nit zerkerfft / grüner / linder unn weycher / geformiert beynach wie die bletter am Pfennig oder Egelkraut. Die blumen seind etwas anders gestalt dann an dem mennle / und vergleichen sich ettlicher massen den blümlin so am grossen Bathengel wachsen / vonn farben purpurbraun mit geelem vermischt. So sie abfallen / werde kleine runde hülßlin oder täschlin darauß / inn welchen es den samen bringt. Die wurtzel ist grawlecht / ein wenig dicker dann des mennlins. Erenbreiß wachsen an ungebawten orten / fürnemlich in wälden under den Eychbeumen / und dürren / sandigen / und leymechten bergen.
Blüen im Hewmonat / und folgends bringen sie auch samen.
Beyde Erenbreiß seind etwas bitter am geschmack / unn ziehen seer zusamen / derhalben müssen sie warmer und truckner natur sein.
Erenbreiß seind nützlich zu frischen und allten wunden / dann sie heylen dieselbigen. Man sol sie auch zu allerley rauden unnd unsauberkeyt der haut brauchen / als seind zittermäler / flechten / und dergleichen. Sie seind aber fürtreffenlich gut zu der verseerten lungen / so man ein tranck darauß macht / oder ein latwerg. Die hirten haben ein sondere erfarung von dem Erenbreiß / dann sie brauchen dieselbig gepulvert mit saltz vermischt zum husten des vichs. In summa / Erenbreiß ist auch ein recht wundtkraut / soll derhalben hoch geachtet werden von menigklich."
(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)