Fraxinus excelsior
"Von der Esche wird gegenwärtig nichts mehr in Apotheken gebraucht. Ehedem waren die Samen (Semina Fraxini s. Linguae avis s. Ornithoglossa) so wie die Blätter und Rinde (Folio, Codex Fraxini), auch selbst das Holz (Lignum Fraxini s. Lignum Guajaci Germanorum) gebräuchlich. Das Dekokt der Rinde soll, wenn man es zur Seite sieht, bläulich -braun erscheinen, wenn man hindurch sieht, hingegen röthlich-braun. Dies ist schon von Caesalpin beobachtet worden, und nach Haller kann man damit sogar Garn blau färben. Sonst ist uns weiter keine Analyse der Theile dieses interessanten Baumes bekannt. Gerbestoff ist jedenfalls das verwaltende Prinzip, welchem die (daher auch zum Gerben angewandte) Rinde besonders und die Blätter ihren zusammenziehenden Geschmack verdanken, zu dem noch eine bedeutende Bitterkeit kommt. Man hielt sie für stärkend, eröffnend und harntreibend und gebrauchte sie sonst bei allerlei Cachexien, Unterleibskrankheiten, Wassersucht, Scorbut und besonders gegen Wechselfieber. Am auffallendsten ist der glückliche Erfolg, welchen Lars Montin von dem ausgepressten Saft der Blätter beim Vipernbisse äußerlich und innerlich hatte, und verdiente von Neuem geprüft zu werden. Aus dem Holze bereitete man auch durch niedersteigende Destillation eine heilsame Säure — Sarnelärva in Schweden genannt — und wendete sie als Diaphoreticum an. Die Rinde hielt man sonst für ein Febrifugum und nannte sie daher Deutsche China."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Dreizehnter Band, 1837)