"Nach Dureau de la Malle ist Ornus der Lateiner, Bumelia der Griechen, unsere gemeine Esche, Fraxinus excelsior L.; der Baum, den wir Ornus nennen, ist fraxinus der Römer und Melia der Griechen.
Nur allein jenen Ornus fand Sibthorp häufig auf den Gebirgen Griechenlands, und auch nur von ihm kann hier die Rede sein ; es ist

Die Esche der Nemesis oder die Blumen-Esche, auch Manna-Esche, Fraxinus Ornus L. oder Ornus europaea Persoon. Nicht selten sieht man sie in unsern Garten- Anlagen; es ist ein 20 —-25 Fus hoher Baum mit gefiederten Blättern und weissröthlichen in grossen Rispen stehenden wohlriechenden Blumen.
Ausgezeichnet sind die Mythen, welche an diesen Baum erinnern. Von einigen Nymphen wurden die Eschen bewohnt, die man die Melischen nannte; sie entstanden gleich den Erinnyen und Giganten aus dem Blute des entmannten Kronos. Die Erinnyen oder Furien sind, wie man weiss, die rächenden Plage-Göttinnen der Unterwelt; sie trugen dort Stöcke aus Eschenholz und auch die Giganten suchten, das ihrem Bruder Saturnus widerfahrene Unrecht zu rächen.
Nemesis oder Adrastea hält in der Hand einen Zweig von Melia, um, wie Winkelmann sehr schön sagt, ihre Härte und die Unbeweglichkeit in Schlüssen über Vergeltung anzudeuten.
Bei der Hochzeit des Peleus und der Thetis, die auf einem Berge in Thessalien gefeiert wurde, wozu alle Götter und Göttinnen eingeladen waren, und alle ein Geschenk gaben, brachte Chiron eine auf dem Berge abgehauene Blumen-Esche ; man schnitzte einen Spies daraus, woran Minerva und Vulcan arbeiteten. Peleus trug ihn zuerst und nachher sein Sohn Achilles. Das Eschenholz ist seiner Härte wegen zu Werkzeugen, so wie zu Waffen brauchbar, und wohl darum ist es, warum hie und da dieser Baum als dem Mars heilig dargestellt wird."
(J.H.Dierbach: Flora Mythologica, 1833)