"Erweyssen oder Erbß würt in Griechischer spraach Pison und Lecythos genent. Zu Latein Pisum / welcher name in den Apotecken unnd under den ärtzten ist bliben biß auff dise zeit. Ursachen dises namens haben wir im Latein gnugsam angezogen.
Der Erbsen seind fürnemlich zwey geschlecht / die kleinen Felderbsen / und die grossen Gartenerbsen. Was für underscheyd zwüschen disen zweyen geschlechten ist / wöllen wir nachvolgends in beschreibung der gestalt klärlichen anzeygen.
Die groß Gartenerbsen haben stengel die breyten sich auff der erden auß / oder wachsen mit hilff der pfäl oder stecken übersich / seind hol. Zwüschen dem hauptstengel und blettern / welche zu ringßumbher als rädle wachsen / kommen andre kleine schösszlin oder zünglin herfür / die haben zu beyden seiten andre runde feyste kleebletter gegen einander gesetzt. Die spitzlin derselbigen rütlin seind dünne fäden / darmit es sich an die pfäl anbindet. Zwüschen yetzgemellten gefiderten unn runden blettern / kriechen die kleinen nacketen kurtzen styl herfür / die bringen jre blumen / die seind leibfarb oder weiß / an der gestalt einem Zwifalter gleich / ye zwo neben einander / darauß werden die schotten / darinn die runden körner / oder Erbsen wachsen. Die wurtzel ist gar klein und zart.
Die kleinen Felderbsen seind den yetzgenanten gleich / doch mit der gantzen substantz kürtzer unnd kleiner / dann die Gartenerbsen. Wachsen on hilff / und blüen weiß. Die grossen Gartenerbsen wachsen in gärten darinn sie gepflantzt werden. Wöllen an der sonnen steen / künden kein kellte leiden. Müssen auch feücht haben. Die kleinen Felderbsen wachsen auff den äckern / dahin sie gesäet werden.
Die Erbsen blüen im Brachmonat und Hewmonat / werden im Augstmonat zeitig.
Die Erbsen seind fast mittelmässig inn dem wermen unnd trücknen / wie die Bonen.
Die Erweyssen haben fast ein gleiche substantz mit den Bonen / doch bläen sie nit wie dieselbigen / seubern auch nit / darumb sie langsam undersich tringen. So vil würckung haben die allten den Erbsen zugeschriben unnd nit mehr. Darumb sehen die newen ärtzt zu / die jhnen vil mehr krafft unnd würckung zuschreiben dann wir yetzund erzelt haben / wie sie sölches mit schrifft vertädingen und verantworten wöllen."
(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)