Enzian m, Gentiana, mit über 450 Arten hauptsächlich in den (Hoch-)Gebirgen der nördlichen Halbkugel und in den Anden beheimatete, mit einigen Arten auch in Australien und Neuseeland vertretene Gattung der Enziangewächse. 1–2jährige oder ausdauernde Kräuter mit ganzrandigen, kahlen, gegenständigen, meist sitzenden Blättern und meist großen, radiären, oft blauen Blüten. Die Blütenkrone besitzt Trichter-, Stielteller-, Glocken- oder Keulenform und hat meist einen 4–5teiligen Saum, mit dessen Zipfeln die in die Kronröhre eingefügten Staubblätter abwechseln. Enzian-Arten mit gefransten Schlundschuppen oder Kronblattzipfeln werden bisweilen in einer eigenständigen Gattung Gentianella zusammengefaßt.
Ihrer prächtigen Blüten, aber auch ihrer zum Teil als Arzneimittel verwendeten Wurzelstöcke wegen sind verschiedene Enzian-Arten sehr begehrt und daher gefährdet. Besonders in den Alpenländern sind deshalb viele oder auch alle Enzian-Arten unter Schutz gestellt. Im folgenden die wichtigsten, vor allem in den Gebirgen Mittel- und Südeuropas beheimateten Arten.
Blau blühend: Gentiana acaulis (Stengelloser Enzian; selten in subalpinen und alpinen Magerrasen; Art wird meist aufgeteilt in Gentiana kochiana und Gentiana clusii); Gentiana asclepiadea (Schwalbenwurz-Enzian, selten in präalpinen Moorwiesen, subalpinen Bergmischwäldern und im Hochstaudengebüsch); Gentiana bavarica (Bayerischer Enzian, ziemlich häufig in Schneetälchen, Lägergesellschaften und an Quellen); Gentiana ciliata (Gefranster Enzian, zerstreut in Kalkmagerrasen und subalpinen Steinrasen); Gentiana nivalis (Schnee-Enzian, ziemlich häufig in mageren alpinen Steinrasen); Gentiana pneumonanthe (Lungen-Enzian, selten in Moorwiesen) und Gentiana verna (Frühlings-Enzian, in präalpinen Kalk-Magerrasen und subalpinen Steinrasen).
Violett oder purpur blühend: Gentiana campestris (Feld-Enzian, ziemlich selten in montanen und subalpinen Silicat-Magerrasen und -weiden) und Gentiana purpurea (Purpur-Enzian, selten in subalpinen bis alpinen Magerweiden oder Hochgrasfluren).
Gelb blühend: Gentiana lutea (Fieberwurz, Gelber Enzian; selten, meist gesellig in hochmontanen bis subalpinen Magerrasen, Hochgrasfluren oder lichten Wäldern – nicht zu verwechseln mit Veratrum, dem weißlich bis grünlich blühenden Germer, dessen Blätter wechselständig sowie unterseits behaart sind) und Gentiana punctata (Tüpfel-Enzian, ziemlich häufig in subalpinen und alpinen Magerweiden).
Vor allem in Steingärten werden viele Enziane als Zierpflanzen gezogen. Beliebt sind europäische Arten wie Gentiana acaulis, Gentiana asclepiadea und Gentiana pneumonanthe, asiatische Arten wie der Herbst-Enzian (Gentiana sino-ornata) oder der Sommer-Enzian (Gentiana septemfida), von denen es viele Kultursorten gibt, und die zahllosen Hybriden des Enzians.
Von Gentiana punctata, Gentiana purpurea, Gentiana pannonica, vor allem aber von Gentiana lutea (Gelber Enzian, Fieberwurz) stammt die rübenartig verzweigte „Enzianwurzel“, Radix Gentianae. Sie enthält außer dem Bitterstoff Gentiopikrin (Enzianbitter) vor allem Gentiogenin und Gentiamarin, verschiedene Zucker sowie Gentianaalkaloide und dient in unterschiedlicher Form als magenstärkendes, verdauungsförderndes und fiebersenkendes Mittel. Der zuckerhaltige Auszug der Enzianwurzel bildet zudem die Grundlage für den Enzianschnaps.