Gentiana lutea
"Unter dem Namen Radix Gentianae rubrae seu luteae seu majoris wird schon seit den ältesten Zeiten die Wurzel des Gewächses in den Apotheken Europas, theils in ganzen, theils in gespaltenen Stücken aufbewahrt. Im trockenen Zustande erscheinen dieselben äußerlieh runzlich und, besonders am obern Ende, mit zahlreichen Ringen besetzt und besitzen äußerlich eine graubraune Farbe, innen aber sind sie bräunlichgelb. Man unterscheidet deutlich drei Lagen, eine äußere, mehr lockere, dann eine dunklere, beim Querdurchschnitt ringartig erscheinende, und ein helleres bräunlich -gelbes Centrum. Der Geschmack ist anfangs schwach süßlich, bald aber tritt die reine, starke, anhaltende Bitterkeit hervor. ... Der vorwaltende Bestandteil ist der bittre Extractivstoff. Sie gehört daher zu den kräftigsten bitter- tonischen Mitteln und wird bei Schwäche der Verdauungswerkzeuge, leichten Fiebern, Gicht u. s. f. mit Erfolg angewendet. Man benutzt das Pulver, den Aufguss, die Abkochung , das Extract und die Tinctur (Tinctura Gentianae simplex). Ueberdies bildet die Wurzel sowohl als das Extract den Bestandteil vieler Zusammensetzungen, so der Tr. Gentianae composita, der Tr. Aurantiorum composita, der Tinctura Chinae composita , des Portlandischen Gichtpulvers u. s. f. Bemerkenswerth ist, dass sie bei empfindlichen Personen zuweilen Brechen erregt."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Dreizehnter Band, 1837)