"[III.3. - Enzian] - Gentiana lutea (Gentianaceae) - Gelber Enzian
Der Enzian [Einige nennen ihn Kentaurioswurzel, Andere gallische Aloë,
Narke, Cheironion, die Dardaner Aloïtis, die Römer Genus, Cicenda, auch
Cyminalis] soll seine erste Aufindung Gentis, einem Könige von Illyrien
verdanken, von dem er auch den Namen erhalten hat. Seine Wurzelblätter
sind denen des Nussbaumes oder des grossen Wegerichs ähnlich, röthlich.
Die am mittleren und besonders am oberen Theile des Stengels befindlichen
sind leicht eingeschnitten. Der Stengel ist hohl, zart, fingerdick, zwei Ellen
hoch, durch Knoten abgetheilt und trägt in grösseren Abständen die Blätter.
Er hat einen platten, leichten, spreuartigen, dem der Birenklau ähnelnden
Samen in einer Kapsel, eine grosse, der grossen Osterluzei ähnliche, dicke
und bittere Wurzel. Er steht auf den höchsten Bergrücken und an schattigen
und wasserreichen Stellen. Die Wurzel hat erwärmende, adstringirende Kraft,
hilft auch in der Menge von 2 Drachwen mit Pfeffer, Raute und Wein genossen gegen den Biss giftiger Thiere, vom Saft thut es 1 Drachme; ferner
gegen Seitenschmerzen, bei Sturzverletzungen, inneren Rupturen und
Krämpfen. Mit Wasser getrunken ist sie Leber- und Magenkranken heilsam.
Als Kollyrion eingelegt treibt sie den Embryo aus. Wie das Lykion aufgelegt
ist sie ein Wundmittel, auch ein Heilmittel bei fistelartig hinkriechdenden
fressenden Geschwüren, vorzüglich der ausgezogene Saft, auch als Salbe
bei Augenentzündungen. Der Saft wird ferner den scharfen Kollyrien statt
Mohnsaft zugemischt. Die Wurzel entfernt auch weisse Flecken. Der Saft
wird daraus gewonnen, indem sie zerstossen und fünf Tage mit Wasser macerirt wird; dann wird sie in dem Wasser gekocht, bis die Wurzeln hervorragen und nach dem Erhalten das Wasser durch ein leinenes Tuch abcolirt;
es wird dann bis zur Honigconsistenz eingekocht und in einem irdenen Topfe
aufbewahrt."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)