Synonyme: Angelica major, A. officinalis, A. sativa, Selinum archangelica;
Angelik, Engelbrustwurz, Erzengelwurz, Erzengelwurzel, Gartenangelik, Giftwürze, Heiligenbitter, Heiliggeistwurzel, Heiligengeistwurzel, Theriakwurzel

Historisches: Griechen und Römer kannten die Engelwurz nicht, da sie aus dem Norden (Skandinavien, Island, Grönland) nach Mitteleuropa gelangte. In Nordeuropa wurde die Pflanze seit dem 12. Jh. als Gemüse gegessen. Die Kräuterbücher des 16. Jh. weisen auf ihren Einsatz gegen die Pest hin, indem z.B. das Riechen an einer mit Essig getränkten Wurzel vor dieser Erkrankung schützen sollte. Auch gegen Zauberei und böse Geister wurde die Pflanze (Heiligengeistwurzel) eingesetzt. Der Gattungsname "Angelica" ist lateinischen (angelus = Engel) bzw. griechischen (angelos = Engel) Ursprungs. Nach der Sage soll die heilkräftige Pflanze den Menschen von einem Engel gezeigt worden sein. Auch der Artname "archangelica" ist danach geprägt.

Drogen: 1. Angelicae folium (syn. Folium Angelicae); Angelikablätter, die getrockneten Blätter.
Inhaltstoffe: äther. Öl, ca. 0,1 % mit β-Phellandren (33,8 %), α-Pinen (27 %) und β-Pinen (23,9 %) als Hauptkomponenten; außerdem Furanocumarine, u.a. Angelicin vgl. Formel, Bergapten, Imperatorin und Oxypseudanin, jedoch kein Osthol.
2. Angelicae fructus (syn. Fructus Angelicae, Semen Angelicae); Angelikafrüchte (syn. Angelikasamen, Engelwurzsamen), die getrockneten Früchte.
Inhaltstoffe: äther. Öl (ca. 1,5 %, s. Angelica-archangelica-Fruchtöl), Cumarine und Furanocumarine, u.a. Angelicin, Apterin, Bergapten und Xanthotoxin.
3. Angelica-archangelica-Fruchtöl (syn. Oleum Angelicae fructus); Angelicasamenöl, das durch Wasserdampfdestillation aus den frischen Früchten gewonnene ätherische Öl.
Inhaltstoffe: terpenoide Verbindungen, u.a. α-Pinen (11,4 %) und β-Phellandren sowie β-Caryophyllen als Hauptkomponenten. Außerdem Cumarinderivate.
4. Angelicae herba (syn. Herba Angelicae); Angelikakraut (syn. Engelwurzelkraut), die oberirdischen Teile der Pflanze.
Inhaltstoffe: äther. Öl (0,015-0,1 %) mit Myrcen, α-Phellandren und α-Pinen als Hauptkomponenten. Außerdem Cumarine und Furanocumarine, u.a. Osthol, Osthenol, Umbelliferon und Angelicin.
5. Angelicae radix (syn. Radix Angelicae, Radix Angelica sativae, Radix Syriaca); Angelikawurzel (syn. Brustwurz, Engelwurz, Gartenangelika, Heiligenbitter, Theriakwurzel, Waldbrustwurz), die unterirdischen, ganzen, unterhalb 40 oC getrockneten Teile der Pflanze.
Inhaltstoffe: äther. Öl (0,35-1 %, überwiegend aus Monoterpenen, kleinen Mengen an Sesquiterpenen sowie den geruchsbestimmenden makrocyclischen Lactonen bestehend, s. Oleum Angelicae), ferner umfangreiches Spektrum an Cumarinen, z.B. Osthenol, Furanocumarinen, u.a. Angelicin und Heraclenol und Dihydrofuranocumarinen, u.a. Archangelicin vgl. Formel, Archangelin vgl. Formel. Weitere Bestandteile sind Pflanzensäuren, u.a. Angelica- und Fumarsäure, die Phenolcarbonsäuren Chlorogensäure und Kaffesäure sowie Harze und Flavanone.
6. Oleum Angelicae (syn. Angelicae aetheroleum); Angelikaöl, das aus den Wurzeln durch Wasserdampfdestillation gewonnene ätherische Öl.
Inhaltstoffe: Die getrocknete Wurzel enthält 0,35-1 % äther. Öl, bestehend aus ca. 80-90 % Terpenen mit β-Phellandren (13-28 %), α-Phelladren (2-14 %) und α-Pinen (14-31 %) als Hauptkomponenten. Weitere Bestandteile: u.a. Camphen, Δ-Caren, 1,8-Cineol, Limonen sowie kleine Anteile an Sesquiterpenen, z.B Humulen und β-Caryophyllen, ferner makrocyclische Lactone, die den typischen Geruch des Öles bilden, u.a. 15-Oxopentadecenlacton.