" Erzengelwurzel, Angelica archangelica L.
mit gefiederten Blättern, deren äusserstes in Lappen zertheilt is, ein perennirendes Gewächs, welches auf Anhöhen zu sechs Fuß hoch wächst, und zu Anfang des Sommers gelb blüht.
Die Wurzel (rad. Archangelicae, rad. Angelicae), welche über einen Zoll dick, spindelförmig runzlicht, grauröthlich, mit langen herabhängenden Fasern besetzt, und inwendig weißlicht ist, giebt frisch einen gelben Milchsaft von sich, und besitzt einen angenehm gewürzhaften Geruch und einen erst süßlichen, dann beißend erwärmenden Geschmack, welche beide aber weit schwächer als bei der Gartenengelwurzel sind. Man schrieb ihr Schweiß treibende und Magenstärkende, Kräfte ermunternde Tugenden zu, setzte sie aber der Gartenengelwurzel an Kräften weit nach. Man sammelt sie im März, oder noch besser im späten Herbst; man muß sie wohl trocknen und vor dem Zugang der freien Luft verwahren, da sie leicht wurmstichig wird. Sie giebt etwas ätherisches Oel, und läßt sich am bequemsten mit Weingeist ausziehn.
Auch dem eirunden, an beiden Enden stumpfen, zwei bis drei Linien langen, hellgrauen, auf der platten Seite mit einer Furche bezeichneten Samen (sem. Archangelicae, sem. Angelicae) hat man ähnliche Kräfte beigelegt. Er verliert seinen Geruch und Geschmack fast ganz durchs Trocknen.
Die frisch geschälten und mit Zucker überzognen Stengel (rami Archangelicae, rami Angelicae conditi) braucht man als ein Magenstärkendes Mittel."
(Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon von 1793)
"Gartenengelwurzel, Angelica sativa, Off.
scheint eine Abart der Angelica archangelica, L. (Erzengelwurzel) zu seyn, welche sich jedoch durch ziemlich beständige Kennzeichen unterscheidet. Sie wird nur drei Fuß hoch, Blätter und Schirme sind kleiner als bei der Erzengelwurzel, die Blumenblätter sind grün und die Staubfäden weiß. Geruch und Geschmack ist weit stärker gewürzhaft. Sie ist gewöhnlich zweijährig, ist an den mitternächtlichen Meerufern einheimisch, und liebt in Gärtern den Stand dicht an Wassergräben.
Die braunschwarze Wurzel (rad. Angelicae sativae) besteht gewöhnlich aus einem etwas dicken Kopfe, der sich bald in dicke und dünnere Fasern zertheilt; ihr weißes Mark zeigt aufgeschnitten viel gelbe Harzpunkte, ihr ganz eigner Geruch ist sehr aromatisch, und ihr Geschmack ist ein Gemisch aus dem beißend Gewürzhaftbittern und dem Süßen. Man hat ihr viel Hülfe in der krampfhaften und hysterischen Kolik, und überdem ermunternde Magenstärkende, und Brustschleim zertheilende Kräfte zugeschrieben; vorzüglich für kalte, phlegmatische Naturen. Sie muß zu Anfange des Winters, oder sehr zeitig im Frühlinge gesammelt völlig getrocknet und in verstopften Gefäßen aufbewahret werden, weil sie sonst leicht wurmstichig wird. Sie gibt 1/128 eines sehr kräftigen ätherischen Oels.
Die eirunden, auf der einen Seite platten, und mit einer Längenfurche versehnen, auf der andern erhabnen, mit drei Ecken besetzten Samen (sem. Angelicae sativae) haben auf beiden Seiten einen häutigen Rand, einen gewürzhaften Wohlgeruch, und einen aromatischen, brennenden Geschmack. Man schreibt ihrem seltnen Gebrauche gleiche Kräfte als der Wurzel zu.
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(Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon von 1793)