"Schon oben wurde erinnert, dass alle Blumen, Zweige,
und überhaupt alle Vegetabilien, die auf die Altäre der
Götter kommen, oder womit man die Tempel schmückte,
Verbenae hiessen. Im engeren Sinne aber ist Verbena
procumbens Forskal, nahe verwandt mit dem südlichen
Eisenkraute, Verbena supina L., die der Isis geweihte
Pflanze; ihre mehr oder wenig ästige Stengel sind theilweise
auf die Erde gestreckt; die Blätter ungestielt und
mehrfach in Lappen zerspalten, in lockern Aehren sind
die blauen Blümchen gereiht.
Da man vorzugsweise die Pflanzen auf den Altären
brauchte, so hiess sie das heilige Kraut; Hiera Botane,
dem man ausserordentliche magische Kräfte zuschrieb,
daher es auch Dioscorides als Amulet zu Reinigungen und
ähnlichen abergläubischen Zwecken empfiehlt. Auch die
Thräne der Isis wurde die Verbena genannt und nicht
minder die Thräne der Juno, sie hiess auch das Blut des
Mercur, ferner Persephonion, Herba Demetrias oder Cerealis,
Philtradates u. s. w. , Benennungen, die auch ihren
vielfachen Gebrauch bei religiösen Übungen und magischen
Künsten andeuten, worüber besonders Hummelberg
schrieb. Wer
einen Büschel geweihten Verbena besass, hielt sich für
unverletzlich, daher der Beinamen Sagminalis.
Gesandte, die zur Ausrichtung einer sehr wichtigen
Botschaft ausgeschickt wurden , trugen Zweige von diesem
Kraute, oder krönten sich damit, und hiessen deshalb
Verbenarii. Die Verbena war ein Zeichen des Friedens,
und jene Verbenarii hatten daher gewöhnlich die Absicht,
ein Bündniss abzuschliessen, oder Friedensvorschläge zu
thun."
(J.H.Dierbach: Flora Mythologica, 1833)