"Aconitin: Aconitin ist ein in Aconitum-Arten vorkommendes, stark wirkendes Gist, dessen tödliche Dosis mit etwa 4 mg angegeben wird. In wässriger Lösung ist Aconitin unbeständig. Die Stammpflanze der früher offizinellen Eisenhutknollen ist Aconitum napellus, eine in den Mittel- und Hochgebirgen Europas heimische Art. Die Vermehrung erfolgt durch die Bildung von Tochterknollen zur Blütezeit. Beide, Mutter- und Tochterknollen sind alkaloidführend.
Die zur Blütezeit gesammelte Knolle war früher als Radix oder Tuber Aconitii offizinell. Die Droge schmeckt anfangs süßlich, dann kratzend, zuletzt scharf und stark würgend. Bei einem Alkaloidgehalt von mind. 0,15% können so geringe Mengen wie 0,5 g Droge bereits die letale Dosis für den Erwachsenen darstellen.
Aconitin wurde früher in Form einer lokalen Einreibung oder als Pinselung verwendet; es kann offensichtlich bereits durch die unverletzte Haut hindurch absorbiert werden. Nach peroraler Zufuhr wird es schnell resorbiert und verteilt sich rasch im Organismus. Nur etwa 2% werden unverändert über die Nieren ausgeschieden. Aconitin gehört nicht zu den kumulierend wirkenden Giften.
Die Droge wirkt in toxischen Dosen zunächst stimulierend, dann lähmend auf das Nervensystem, auf das Myokard und auf andere Muskeln. Als Anwendungsgebiete galten früher Schmerzzustände bei Neuralgien, insbesondere bei Trigeminusneuralgien.
Aconitinextrakt und Aconitum-Reinstoffpräparat: In der traditionellen Medizin Ostasiens spielen Zubereitungen aus Aconitum-Arten bis heute eine große Rolle. Man verwendet sie als Analgetika und als Antipyretika. Die seit Jahrhunderten praktizierte besondere Aufbereitungsart der Droge vermindert das Risiko einer Vergiftung. Sie wird vor der Verwendung etwa 40 min lang auf etwa 120°C erhitzt. Dabei sinkt die Toxizität auf etwa 1/400 des ursprünglichen Wertes. Die therapeutische Wirkung nimmt hingegen nicht in gleichem Maße ab. In der modernen Medizin spielt Aconitin keine Rolle mehr.
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)