"[III,93. - Ixos] - Loranthus europaeus (Loranthaceae)
Der Vogelleim ist schön, wenn er frisch ist, innen eine lauchgrüne,
aussen eine gelbliche Farbe hat, dabei nichts Rauhes und Kleieartiges
enthält. Er wird aus einer gewissen runden Frucht eines auf der Eiche
wachsenden Strauches mit buchsbaumähnlichen Blättern bereitet. Die
Frucht wird zerstossen, dann gewaschen und danach in Wasser gekocht.
Einige bereiten ihn auch durch Kauen zu. Der Ixos wächst aber auch auf
dem Apfel-, dem Birnbaume und auf anderen Bäumen; ferner findet er
sich auch auf den Wurzeln gewisser Sträucher. Er hat, mit gleichviel
Harz und Wachs gemischt, die Kraft zu vertheilen, zu erweichen, zu
reizen, Geschwüre, Drüsen an den Ohren und andere Abscesse zur Reife
zu bringen. In der Compresse heilt er Epinyktiden; mit Weihrauch erweicht er alte Geschwüre und bösartige Abscesse. Ferner macht er die
Milz weich, wenn er mit ungelöschtem Kalk oder Gagatstein oder mit
Schlamm gekocht und aufgelegt wird. Mit Arsenik oder Sandarach als
Umschlag zieht er Nägel heraus. Wird er mit ungelöschtem Kalk oder
Weinstein gemischt, so wird seine Kraft gesteigert."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)