Eiche w, Quercus, Gattung der Buchengewächse mit 500–600 Arten in Europa, Süd-, Südost- und Vorderasien, Nord- und Mittelamerika. Es sind abgeleitet anemogame (windblütige), monözische (eingeschlechtige) Bäume und Sträucher. Sie bilden sommergrüne Laub- und immergrüne Hartlaubwälder. Die männlichen Blütenstände sind kätzchenartig hängend, die weiblichen ährig oder kopfig mit der Blütenformel P3 + 3 G(3). Die Cupula (Fruchtbecher) der endospermlosen Nußfrucht der Eichen (Eichel, Ausbreitung mitteleuropäischer Arten durch den Eichel-Häher; Synzoochorie) ist artspezifisch ausgeprägt, die Blattform variiert stark; frühe Peridermbildung; Lebensraum für höhlenbrütende Vögel sowie viele Insekten, von denen allein in Mitteleuropa mehr als 1000 Arten an und von Eichenarten leben. Von ihnen können gewisse Ertragseinbußen, in der Regel jedoch keine ernsthaften Schädigungen hervorgerufen werden, denn Eichen besitzen u. a. eine gute Fähigkeit zum Neuaustrieb nach Schädlingsfraß (Johannistriebbildung; wichtige Schadinsekten sind Eichenwickler, Eichen-Prozessionsspinner und Schwammspinner); beträchtlichen Schaden richtet der Eichenmehltau (Echte Mehltaupilze) an, geringen dagegen die Eichenmistel (Mistelgewächse).
Sommergrüne Eichen: Die in Mitteleuropa häufigsten, am Aufbau verschiedener Waldgesellschaften beteiligten Arten sind Stiel-Eiche und Trauben-Eiche (Querco-Fagetea). Die Stiel-Eiche oder Sommer-Eiche (Quercus robur, Quercus pedunculata) ist eine bis 50 m hohe und 500–800 (–1000) Jahre alt werdende Lichtholzart mit früh verzweigtem Stamm und geöhrten, büschelig gehäuften, kurzgestielten (2–7 mm) Blättern. Die karpellaten Blüten (bzw. Eicheln) sind lang gestielt; Mannbarkeitsalter im geschlossenen Bestand ca. 80 Jahre; Mastjahre alle 7–10 Jahre. Verbreitung subkontinental (Europa und Kleinasien), planar bis submontan (sommerwarme Lagen), besonders in Kalkgebieten, in der Hartholzaue (Querco-Ulmetum minoris), im grundfeuchten Carpinion betuli und in den sauren Birken-Eichenwäldern (Quercion robori-petraeae, Quercetea robori-petraeae). Die Stiel-Eiche kann größere Temperatur- und Feuchtigkeistextreme ertragen als die folgende Art.
Bei der Trauben-Eiche, fälschlicherweise auch Stein-Eiche genannt (Quercus petraea, Quercus sessiliflora; bis 40 m), reicht der Stamm bis in die regelmäßige Krone. Die Blätter haben eine keilförmige Basis und einen 12–14 mm langen Blattstiel. Die karpellaten Blüten sitzen oder sind kurz gestielt; Mannbarkeitsalter im geschlossenen Bestand ca. 60–80 Jahre. Verbreitung subatlantisch-submediterranes Europa (wintermilde, luftfeuchte Lagen), planar bis montan, besonders auf Silicat, auch auf trockenen Standorten und auf Felsen (scheut Grundwasser und Staunässe).
Die Flaum-Eiche (Quercus pubescens, bis 20 m) hat flaumig behaarte Blätter und junge Triebe (bis 2 Jahre), und auch die Cupula ist behaart. Sie ist in der submediterranen Stufe des Mittelmeergebiets verbreitet; in Deutschland erreicht sie als wärmezeitliches Relikt an sonnigen trockenen Kalkhängen (Quercetalia pubescentis) die Nordgrenze ihres Areals (bastardiert hier häufig: Quercus petraea × pubescens).
Nutzung: Die Eicheln vieler Eichen werden für Kaffee- und Mehlersatz verwendet. Die Eichenwälder wurden zur Schweinemast und Waldweide genutzt. Eichenholz, i. e. S. von Stiel- und Trauben-Eiche, ist ein gelblichbraunes, wasserfestes ringporiges, sehr hartes und schweres Holz (Dichte ca. 0,7 g/cm3). Der Kern ist pilzbeständig (durch Einlagerung von Phlobaphenen). Verwendung: Fachwerk, Fässer, Schiff- und Unterwasserbau, Bauholz, Bahnschwellen, Möbel, Täfelungen und Furniere. Das schwerste Eichenholz hat die Stein-Eiche (Dichte 1,14 g/cm3!). Amerikanische Eichenhölzer (Rot-Eiche) sind weicher und billiger. Eichen werden als Hochwald mit 150–300 Jahren Umtrieb und als Überhälter zur Holzgewinnung oder als Niederwald mit 12–20 Jahren Umtrieb zur Rindengewinnung (Eichenschälwald) bewirtschaftet. Für Gerberlohe ist Spiegel- oder Glanzrinde junger Bäume mit 16–20% Gerbstoff wertvoll (Altrinde 10%, Borke 7%).