"[I.142. - Eiche] - Quercus robur (Fagaceae) - Eiche
Die ganze Eiche hat adstringirende und austrocknende Kraft; am meisten adstringirt aber von ihr die hautartige Substanz zwischen Rinde und Stamm, ebenso das, was um die Eichel herum unter der Schale ist. Die Abkochung davon wird denen gegeben, die am Magen, an Dysenterie und an Blutspeien leiden; auch wird jenes fein gestossen im Zäpfchen den an Flues leidenden Frauen eingelegt. [Die Blätter aber verkleben frisch geschlagene Wunden.]"
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)

"[I.143. - Eicheln]
Auch die Eicheln leisten dasselbe. Genossen sind sie harntreibend, verursachen Kopfschmerzen und Blähungen. Sie wirken gegessen gegen giftige Thiere; auch ihre Abkochung und die der Rinde mit Kuhmilch getrunken hilft gegen Gift. Roh aber fein gestossen lindern sie als Umschlag Entzündungen, mit gesalzenem Schweinefett sind sie als Umschlag ein gutes Mittel gegen bösartige Verhärtungen und schlimme Geschwüre. Die der llexeiche sind kräftiger an Wirkung als die der Stieleiche."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)

"[I.143. - Speiseeiche und Ilexeiche] - Quercus esculus (Fagaceae) - Speiseeiche, Quercus ilex (Fagaceae) - Steineiche
Sowohl die Speiseeiche als die llexeiche sind Eichenarten, an Wirkung ähnlich. Die Wurzelrinde der llexeiche, mit Wasser bis zum Weichwerden gekocht und eine ganze Nacht aufgelegt, schwärzt die Haare, wenn diese vorher mit kimolischer Erde abgerieben sind. Die Blätter von allen zerschnitten und fein gestossen sind bei Geschwüren angebracht; sie stärken auch schwache Theile."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)

"[I.146. - Galläpfel] - Der Gallapfel ist die Frucht der Eiche; eine Sorte wird Omphakitis genannt, sie ist klein, höckerig, derb, ohne Löcher, die andere ist glatt, leicht und löcherig. Man muss die Omphakitis wählen, welche wirksamer ist. Beide aber adstringiren stark und wirken, fein genossen, gegen Fleischwucherungen, Fluss des Zahnfleisches und Zäpfchens und Ausschlag im Munde. Das in der Mitte desselben Befindliche in hohle Zähne gesteckt, beschwichtigt die Schmerzen. Sie sind blutstillend, wenn sie bis zum Glühen auf Kohlen gebrannt und mit Wein oder Essig oder mit Salzessig abgelöscht werden. Ihre Abkochung dient zum Sitzbade gegen Gebärmuttervorfall und Rheumatismus. In Essig oder Wasser macerirt färben sie die Haare schwarz. In Wasser oder Wein fein gerieben helfen sie an Verdauung und Ruhr Leidenden als Umschlag oder als Trank, auch der Zukost zugemischt, oder wenn sie vorher in ganzem Zustande in dem Wasser gekocht werden, in dem etwas gekocht werden soll, was jenen wohltut. Und überhaupt, wenn es sich um ein adstringirendes, stopfendes oder austrocknendes Mittel handelt, muss man sie anwenden."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)