"Statuen und Götterbilder aus Eichenholz zu schnitzen
war im höchsten Alterthume gewöhnlich, wie aus einigen
Stellen in der Bibel und aus späteren Schriften erhellt.
Es sind hier aber besonders drei Eichen-Arten näher zu
bezeichnen, nämlich:
1) Die Eiche des Jupiter, wofür man nothwendig die
Speise-Eiche, Quercus Esculus L halten muss. Esculus
Jovi sacra, sagt Plinius an mehreren Orten. Sibthorp
fand sie in Griechenland, Kleinasien, um Konstantinopel
u. s. w.; auch in Italien ist sie einheimisch. Ihre Blätter
sind glatt und schmäler, als die der gemeinen Eiche; sie
stehen auf sehr kurzen Stielen und sind in weit von einander
stehende schmale Lappen zertheilt , von denen
sich einige stumpf, andere mit scharfen Spitzen endigen.
Die jungen Zweige haben eine purpurrothe Rinde. Ihre
Eicheln sind dünn und lang, haben rauhe, selbst etwas
stachliche Schälchen (Cupulae) und sitzen meistens einzeln,
selten zwei bei einander, ohne Stielchen an den
Zweigen.
Diese Eicheln sind essbar, ein Umstand, der den
Baum in den Sagen der Alten so wichtig macht; er war
es ohne Zweifel, der, an den Ufern des Achelous wachsend,
die erste Kost der sterblichen Menschen hiess, ehe
der Ceres süssere Gaben erfreuten. Ja Eichen sollen es gewesen sein, die zuerst
und vor allen andern Bäumen aus den Fluthen sich emporhoben. Zeus, dem dieser Baum geweiht
ist, hiess auch der Nährvater, Phegonaeus; ihm
war besonders der echarnische Hain zu Dodona in Epirus
geweiht, und durch sein Orakel berühmt. Rief man den
Vater der Götter unter einer heiligen Eiche an, und er
erhörte die Bitte; so rauschten die Zweige des Baums,
von keinem Lüftchen bewegt. Nach der Vorstellung der
alten Griechen hauste Zeus in diesen Eichen; sie hatten,
wie Creuzer sagt, die Vorstellung, dass das
Rauschen der Blätter, Vogelstimmen aus seinen Wipfeln,
dessen Dasein kund thaten. Daher wurden Rauchopfer
unter Dodonäischen Eichen angezündet, und sie mit Rundtänzen
begrüsst, wie von den Völkern Amerika’s unter
ihren heiligen Bäumen noch jetzt geschieht.
Zeus wurde als der höchste und erste Inhaber der
Blitze gedacht; er ist Jupiter
fulgur, und, was die meisten Mythologen bisher übersehen
zu haben scheinen, in keinen andern Baum schlägt der
Blitz so oft ein, als in die Eiche, und vielleicht auch darum
ist sie der Baum des Jupiter. Eichen und Buchen machen
in Europa meistens die Laubwälder aus, beide wachsen
oft gemischt und neben einander, aber selten oder
nie trifft der Blitz eine Buche, während er so oft die
Eichen spaltet.
Selbst niedere Eichen werden gerne vom Blitze berührt,
uud die Aeolier brauchten deshalb schon Vorsichtsmaasregeln.
Sehr oft findet man die Statuen und Bildnisse des
Zeus mit Eichenlaub bekränzt, und auch dem Herkules
erfuhr diese Ehre; denn die Eiche galt mit Recht als ein
Symbol des Lebens der Stärke und Tapferkeit, Wer einen
römischen Bürger durch seine eigene Anstrengung des
Lebens gerettet hatte, erhielt einen Eichenkranz als Lohn
seiner Bemühung (corona civica).
Auf einem Herkulanischen Gemälde hält die Victoria
in der rechten Hand einen Kranz von Eichenlaub und in
der linken ein Schild. Vielleicht
stammt aus jenen alten Zeiten die noch immer bestehende
Sitte, dass manche deutsche Truppen, bei ihren Märschen
und Feldzügen, einen Eichenzweig auf die Kopfbedeckung
stecken.
Die Bildsäule der Cybele sieht man ebenfalls mit
Eichenlaub bekränzt, was ohne Zweifel auf die nährende
Eigenschaft der Früchte zu beziehen ist. Auch Hekate
kömmt damit geziert vor.
2) Die Eiche des Pan,
oder die Steineiche, Quercus
Ilex L. Sie heisst auch die grüne Eiche, weil sie ihre
Blätter auch im Winter nicht verliert. Diese sind von
verschiedener Grösse und Gestalt, am Rande bald ganz,
bald mit scharfen Zähnen besetzt, auf der untern Seite
behaart. Der Stamm erreicht eine beträchtliche Höhe und
Dicke. Die bald länglichen, bald rundlichen Eicheln werden
an einigen Orten gegessen.
Keine Eiche wird so oft vom Blitze getroffen, als
die Steineiche,.....
Arkadien ist der alte Wohnsitz des Pan, und dort
wächst noch heut zu Tage die Steineiche auf den Bergen.
Pan war nicht nur der Gott der Hirten und Herden,
sondern der Arkadier verehrte ihn auch als den ewigen
Feueräther. Zu Olympia am panhellenischen Tempelorte
des ewigen Vater Zeus, stand vor dem Prytaneum rechts
am Eingang der Altar des Pan, worauf Tag und Nacht
Feuer brannte. Er war dort Beisitzer der Vesta, der Göttin
des ewigen Feuers. Auch die Athenienser kannten ihn
als den Feuergott, sie verehrten ihn durch einen Fackellauf,
wobei Einer eine Fackel auf dem Altar angezündet, nach einem gewissen Ziele trug, und, wenn sie erlosch,
sie dem Folgenden übergeben musste, und so immer
in der Reihe. Die Fackel, sagt Photius ist Feier
zu Athen dem Pan und Prometheus geweiht, den Feuerbringern
vom Himmel her. Es ist Lucidus Pan, wie er
auf Inschriften heisst. Auch
hier scheinen die Mythologen die natürlichste Erklärung
von dem Blitze, der so gerne in diese Eichen einschlägt,
übersehen zu haben.
Pan war ein Sohn des Merkur und der Nymphe
Dryope, die in eine Eiche verwandelt wurde. Silen kommt
mit Eichenlaub bekränzt vor, dessen Grund nicht leicht
anzugeben sein dürfte.
Wenn die Eiche des Jupiter zu den glücklichen Bäumen
gerechnet wurde, so galt gerade das Gegentheil von
Quercus Ilex. .....
Bäume mit immergrünen Blättern waren meistens den
Göttern der Unterwelt gewidmet, und so wird es begreiflich,
warum man die Parzen und Hecate mit Eichenlaub
(der Steineiche) bekränzt findet.
3) Die Eiche der Druiden. Auch unsern vaterländischen
Eichen ist hier eine Stelle einzuräumen, Quercus
sessiliflora Smith, Q. Robur L. und O. pubescens Willd.
Letztere ist vielleicht nur eine südliche Form der gemeinen
Eiche und, wie Burnett meint, der wahre Robur
der alten Römer.
Mit Eichenzweigen bekränzten sich die Druiden der
Germanen und Celten, und wie einst die Griechen in den
Hainen zu Dodona, versammelten sich die Priester unserer
deutschen Vorfahren unter ihren ehrwürdigen Eichen,
um für des Vaterlandes Wohl die geeigneten Mittel zu
verabreden.
Wenn man die Eiche als Symbol der Stärke und
Dauerhaftigkeit anführt, so verdient vor allen die Winter-Eiche genannt zu werden, indem sie an 300 Jahre lang
in die Länge wächst, 600 und mehr Jahre alt wird, eine
Höhe von 120 Fuss erreicht und ein äusserst festes,
schweres und dauerhaftes Holz liefert.
So oft in den Schriften der Alten die Eiche genannt
wird, so selten kommt verhältnissmässig die Buche (Fagus
sylvatica L.) vor, obgleich sie ihnen wohl bekannt
war; auch ist nicht zu übersehen, dass oft die Römer
unter dem Namen Fagus die Speise-Eiche verstehen.
Macrobius rechnet die Buche unter die glücklichen
Bäume (felices arbores) ; aus dem Holze derselben machte
man Opfergeschirre, und Marcus Curius schwur einst, er
habe von der Beute nichts weiter als das buchene Opfergefäs
(guttum faginum) behalten.
Anmerk. Hier möge noch einiger anderer den Druiden
geheiligten Pflanzen kurz erwähnt werden, nämlich des
Samolus derselben , welche ein anonymer französischer
Schriftsteller für die gemeine Bachbunge, Veronica Beccabunga
L. hält, des Selago, einer kryptogamischen hie und
da auf Bergen und in Wäldern vorkommenden Pflanze,
Lycopodium Selago L. und der Mistel der Druiden, Loranthus europaeus L, welche als ein Schmarotzer-Gewächs
hauptsächlich auf Eichen, in den südlichen und wärmeren
Gegenden Deutschlands anzutreffen ist."
(J.H.Dierbach: Flora Mythologica, 1833)