"[III.153. - Eibisch] - Altheae officinalis (Malvaceae) - Eibisch
Die Althaia - Einige nennen sie Hibiskos, Andere Althiokos - Es ist eine Art
wilder Malve; sie hat runde Blätter wie das Schweinsbrod, flaumhaarig, eine
rosenähnliche Blüthe, einen zwei Ellen langen Stengel und eine schleimige,
innen weisse Wurzel. Althaia heisst sie, weil sie viele Krankheiten
heilt und eine vielfache Verwendung findet. In Honigmeth oder Wein
gekocht, auch für sich allein genossen, ist sie ein gutes Mittel bei Wunden,
Drüsen an den Ohren und am Halse, bei Abscessen am After, entzündeten Brüsten, bei Emphysem und Sehnenspannung. Denn sie vertheilt
und erweicht, oder eröffnet und vernarbt. Gekocht, wie angegeben, und
mit Schweine- oder Gänsefett oder Terpentin zusammengemischt wirkt sie
im Zäpfchen gegen Entzündung und Verstopfung der Gebärmutter. Ihre
Abkochung leistet dasselbe, befördert auch die sogen. Lochien. Die
Abkochung der Wurzel aber mit Wein getrunken hilft bei Harnverhaltung,
gegen die Beschwerden der Steinkranken, bei Dysenterie, Ischias, Zittern
und inneren Rupturen. Auch Zahnschmerzen lindert sie mit Essig gekocht
als Mundspülwasser. Die Frucht, grün und getrocknet, bringt weisse Flecken
weg, wenn sie fein zerstossen mit Essig in der Sonne aufgestrichen wird.
Mit Essig und Oel eingesalbt ist sie ein Schutzmittel gegen den Biss
giftiger Thiere. Sie ist auch ein wirksames Mittel bei Dysenterie, Blutauswurf und Durchfall; die Abkochung der Frucht ist ein Trank gegen
die Stiche der Bienen und aller kleinen Thiere, wenn sie mit Essigwasser
oder Wein genommen wird. Auch die Blätter werden mit etwas Oel bei
Verwundungen und Brandwunden aufgelegt. Endlich verdickt die Wurzel
auch das Wasser, wenn sie, fein gestossen, damit vermischt und an die
freie Luft gesetzt wird."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)