"[II.210. - Epheu] - Hedera helix (Hederaceae) - Epheu (schwarze Beeren), Hedera poëtarum (Hederaceae) - Epheu (rothe Beeren)
Der Epheu [Einige nennen ihn Kitharos, Andere Kissaros, Chrysokarpos, Poietika, Korymbethra, der gemeine Mann Nysios, auch Dionysios, noch Andere Ithytherion, Persis, Kemos, Asplenos, die Römer Silva mater, Hedera, die Gallier Subites] hat nach der Gestalt viele Varietäten, überhaupt aber drei Arten, nämlich die weisse, die schwarze und die gebundene. Der weisse trägt eine weisse, der schwarze eine schwarze oder safranfarbige Frucht, diesen nennt der geineine Mann auch Dionysios. Der gewundene (Helix) ist unfruchtbar, hat zarte Stengel und kleine, kantige rothe Blätter. Jeder Epheu ist scharf, adstringirend und greift die Nerven an. Von seiner Blüthe so viel, als man mit drei Fingern greifen kann, in Wein genossen und zweimal im Tage getrunken, ist wirksam gegen Dysenterie; mit Wachssalbe fein zerrieben ist sie auch ein gutes Mittel bei Brandwunden. Die zarten Blätter mit Essig gekocht oder auch roh mit Brod zusammen fein zerrieben sind für die Milz heilsam. Der Saft der Blätter und der Fruchtdolde wird mit Iris- und Salböl, oder mit Honig oder Natron in die Nase gebracht, er hilft dann gegen chronische Kopfschmerzen, wird aber auch mit Essig und Rosenöl zum Begiessen (des Kopfes) angewandt. Ohrenschmerzen und eiterflüssige Ohren heilt er mit Oel. Der Genuss des Saftes und der Fruchtdolde vom schwarzen bewirkt Schlaffheit und im Uebermass Erschütterung des Verstandes. Werden fünf Beeren der Fruchtdolde fein zerrieben mit Rosenöl in der Granatapfelschale erwärmt und in das dem leidenden Zahn gegenüberliegende Ohr getrüpfelt, so lindern sie die Zahnschmerzen. Als Umschlag angewandt färben die Fruchtdolden die Haare schwarz. Die Blätter mit Wein gekocht dienen als Umschlag auf jedes Geschwür; böse Brandwunden und Sonnenbrandflecken heilen sie, wenn sie, wie vorher angegeben, gekocht werden. Die fein gestossenen Fruchtdolden befördern die Katamenien, wenn sie als Zäpfchen eingelegt werden; in der Gabe von 1 Drachme nach der Reinigung getrunken, bewirken sie Unfruchtbarkeit; der junge Spross der Blätter, mit Honig bestrichen und in die Gebärmutter gelegt, befördert die Menstruation und treibt den Embryo aus. Der Saft in die Nasenlöcher getröpfelt beseitigt schlechten Geruch und faulige Geschwüre. Das Gummi desselben entfernt die Haare und tödtet, eingeschmiert, die Läuse. Der Saft der Wurzel mit Essig getrunken hilft gegen den Biss der Spinnen. "
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)