Kastanie w [von Castanea], Castanea, Gattung der Buchengewächse mit ca. 12 sommergrünen Arten in warmgemäßigten Gebieten im Osten Nordamerikas und von Südeuropa bis Ostasien. Sträucher und Bäume mit im Alter gefurchter Rinde und lanzettlichen, am Rande gezähnten Blättern. Die staminaten Blüten stehen in Dichasienbüscheln in langen aufrechten Ähren, die karpellaten Blüten in Dreiergruppen am Grunde der staminaten Blütenstände. In den stacheligen Fruchtbechern entwickeln sich 1–3 Früchte, die noch die Reste der Griffel tragen.
Wichtigste Art ist die Edelkastanie oder Eßkastanie (Castanea sativa), ein bis 40 m hoher Baum mit pyramidenförmiger Krone, bräunlichgrauer, im Alter tief gefurchter Rinde, 15–20 cm langen, länglich-elliptischen, am Rande gesägten Blättern und im Mai erscheinenden, duftenden Blüten, die häufig von kleinen Käfern bestäubt werden. Die im Herbst heranreifenden, halbrunden, etwa 3 cm breiten Früchte (Kastanien oder Maronen) sind von einer ledrigen, braunen Schale umgeben. Sie werden geröstet oder gekocht gegessen oder gemahlen zu allerlei Spezialitäten verarbeitet. Das hellbraune, nachdunkelnde Holz mit seinen deutlich sichtbaren Jahresringen ist von mittlerer Härte (Dichte 0,6 g/cm3) und minderwertig wegen seiner Tendenz zum radialen Aufreißen. Da es bis zu 13% Tannin enthält, sind viele Kastanienwälder der Gerberei zum Opfer gefallen. 600 mm Jahresniederschlag und Temperaturen von 8–15 °C reichen Castanea sativa auf sauren, calciumarmen Böden zum Gedeihen aus. Im Mittelmeerraum bildet der Baum eine eigene Waldstufe in 300–400 m Höhe unterhalb der Buchenwaldstufe. Er ist vermutlich schon seit mehreren Jahrhunderten v.Chr. wegen seiner Früchte und seines Holzes in Kultur. Das ursprüngliche Areal ist durch die lange Kultur verwischt, zumindest in Italien kommt die Kastanie natürlich vor, nördlich der Alpen ist sie gepflanzt. Im Tertiär war sie in Europa weit verbreitet, wurde dann durch die Eiszeit stark zurückgedrängt und breitete sich danach langsam wieder aus. Die Vermehrung in Kultur erfolgt durch Samenaufzucht und Okulation. Geerntet wird durch Aufsammeln im Herbst. Gefürchtete Pilzkrankheiten der Kastanie sind die Tintenkrankheit mit dem Erreger Phytophthora cambivora und der durch den 1940 aus Nordamerika eingeschleppten Schlauchpilz Endothia parasitica (Diaporthales) hervorgerufene Rindenkrebs (Kastanienkrebs).