"Auch der Rhamnus war dem Aesculap gewidmet; es ist, nach Sprengers und Anderer Annahme, Lycium euro~ paeum L., ein strauchartiges, im südlichen Europa einheimisches Gewächs, dessen lange, weisse, dornige, ruthenförmige Zweige sich weit ausbreiten, und daher öfters zur Bedeckung der Gartenhäuser gezogen werden.
Man hielt im Alterthume diese Bocksdornart für ein Mittel gegen vermeintliche Zaubereien, und hing sie zu dem Ende, wie Dioscorides sagt, an Fenster und Thüren. Bion liess in seiner Krankheit Zweige von Rhamnos und Lorbeer an seiner Thüre aufhängen. Man verbrannte ihn vor den Thoren , wo ein Todtenopfer zu feiern war. Orpheus, um in die Zauberkünste der Hecate eingeweiht zu werden, verbrannte nebst andern Pflanzen auch von diesem Bocksdorn.
Die Pflanze hiess auch Persephonium und war, um der angegebenen, in der Einbildung bestehenden Wirksamkeit wegen, den Eumeniden, Töchtern des Acheron und der Nacht, den höllischen Furien oder Plagegeistern gewidmet. Sie ist offenbar der Weissdorn (Spina alba) des Ovidj von dem er ähnliche Wirkungen erwartet. Sie ist es, die der Gott Janus der Nymphe Grane oder Carna als Preis ihrer Jungfrauschaft gab, um damit bei Kinderkrankheiten nützlich zu seyn, und zumal die Hexen (Steiges) abhalten zu können."
(J.H.Dierbach: Flora Mythologica, 1833)