"Eberwurz: Die Droge besteht aus der getrockneten Wurzel von Carlina acaulis, der Silberdistel oder Stengellosen Eberwurz. Sie riecht schwach aromatisch, schmeckt anfangs süßlich-bitter, später brennend-scharf. Aus der Droge destilliert man 1-2% ätherisches Öl von hell- bis dunkelbrauner Farbe und von narkotischem, an Bockshornklee erinnernden Geruch.
Im Mittelalter galt die Pflanze als wirksam, um ansteckende Krankheiten abzuwehren; weiters als Karminativum und brauchbares Magenmittel. Als Bestandteil der Schwedenkräuter hat sich diese Verwendung bis heute gehalten. Sie ist auch Teil einiger Fertigarzneimittel, die bei Cholezystopathien und bei dyspeptischen Beschwerden helfen sollen. Für die Anwendung bei Gallenwegserkrankungen gibt es keine rationale Basis. Möglich erscheint hingegen, dass die Eberwurz bei Durchfallerkrankungen infektiöser Natur therapeutisch nützlich ist. Wurzelstockextrakte zeigen eine stark bakteriostatische Wirkung auf alle gram-positiven Bakterien, insbesondere gegen Keime der Typhus-, Paratyphus- und Ruhrgruppe. Als das wirksame Prinzip des Extrakts erwies sich das Carlinaoxid, das aber neben den vorhandenen Antibiotika keine Berechtigung für eine therapeutische Verwendung hat, weil sich die Substanz im Tierversuch als stark toxisch erwies."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)