"Wolgemut hat vil namen / dann ettlich nennen diß kraut Dosten / Braundosten / und Bergmüntz. Von den Griechischen und Lateinischen würdt es Origanus und Origanum geheyssen. Auß was ursach aber / haben wir nach der leng im Latein anzeygt.
Unsers Wolgemuts / welchs ein wild geschlecht ist / sylvestre Origanum genent / seind dreierley geschlecht. Haben aber kein underscheyd dann allein in den blumen. Eins hat gantz braune / das annder leibfarbe / das dritt gantz schneeweisse blumen.
Wolgemut ist ein gewechß das gewindt hoch und vil stengel / die seind harig unn braun / mit blettern geziert die seind dem Quendel gantz änlich. Am gipffel gewindt er seine gekrönten blumen / die seind der farb nach gestalt wie vormals angezeygt. Die wurtzel ist lang / holtzecht / mit vilen geschossen.
Dosten wechßt gern in hecken / in sonderheyt so an den bergen gelegen.
Wolgemut blüet im Brachmonat und Hewmonat.
Wolgemut ist warm und trucken im dritten grad.
Dosten in wein gesotten und getruncken / ist nützlich denen so von den gifftigen thiern gebissen seind.
Mit süssem wein getruncke / denen so Schirling / oder den safft von Magsamen gessen oder jngenommen haben.
Mit Oxymelite in der Apotecken geheyssen / denen so Gyps oder Zeitlosen gessen haben.
Mit Feigen vermischt und gessen / ist er gut denen so den krampff haben / oder wassersüchtig seind.
Wolgemut gedörrt und mit Meth getruncken / treibt auß die schwartzen gallen durch den stulgang /
und bringt den frawen jr zeit. Mit hönig vermischt und ein latwerg darauß gemacht /
ist er nützlich zu dem husten. Wolgemut gesotten und im bad getruncken /
ist gut denen so mit den rauden beladen seind / unn die geelsucht haben.
Der safft von dem grünen Wolgemut außgetruckt / ist gut zu den geschwollnen mandeln /
dem zäpfflin / und geschwären des munds. Mit milch vermischt / und warm in die ohren gethon /
lindert er den schmertzen derselbigen. Wolgemut undergestrewet / veriagt die natern.
Mit gersten maltz vermengt und übergelegt / vertreibt er unn verzert allerley geschwulst.
In wein gesotten / und den warmen dampff darvon in die ohren empfangen /
zerteylt er das sausen unn klingen derselbigen. Dosten in wein gesotten unn übergeschlagen verzert das undergerunnen blut.
Gedörrt mit salpeter unnd hönig vermischt und angestrichen / macht er weiß zän. Mit essig / öl /
und gersten meel vermengt und übergestrichen verzert die kröpff. Mit Feigen vermischt unnd übergelegt /
stillt er den weetagen der seiten / und das stechen."
(Leonhart Fuchs: Das Kräuterbuch von 1543)