"In Deutschland machte zuerst der Nürnberger Georg Ollinger, dessen Name bekannter zu seyn verdiente, den wahren Diptam der Alten bekannt ; er hatte ihn von Creta über Venedig erhalten und den berühmtesten Botanikern die in der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts lebten , mitgetheilt. Vorher hielt man , wie aus den alten Hortis sanitatis ersichtlich ist, Convallaria multiflora dafür. — Ungemein hoch wurde der Diptam im Alterthume geachtet, auch ist es noch so lange nicht dass er in Vergessenheit gerieth , denn ungefähr vor einem halben Jahrhunderte war er noch unter dem Namen Herba Dictamni cretici in unsern Officinen zu finden; er kommt von Origanum Dictamnus L. und wächst in Creta auf dem Berge Ida, wie schon Virgil in der Aeneide bemerkt hat.
Dem Diptam schrieb man im Alterthume ausgezeichnete Wirkung zur Vermehrung der Contractionen des Uterus zu , so zwar, dass man, wie Plinius berichtet, sich nicht getraute, die Pflanze in das Zimmer einer Schwangeren zu bringen. Auch die Hippokratiker. benutzten sie in dieser Hinsicht, und empfehlen sie als das vorzüglichste Mittel zur Beschleunigung des Abgangs der Nachgeburt , man gab das Mittel zu 12 Granen mit Wasser. Um eine Mola auszutreiben , wird es mit Wein zu nehmen angerathen. Zur Erleichterung und zum Beschleunigen des schweren und langsamen Gebährens wurden 24 Gran mit warmem Wasser gegeben.
Aehnliche Kräfte schreibt Dioscorides einer andern Pflanze zu, die wahrscheinlich Marrubium acetabulosum L. ist."
(J.H.Dierbach: Die Arzneimittel des Hippokrates, 1824)