"Origanum dictamnus
Von dem Origanum Dictamnus sind die obern Zweige oder die Blätter unter dem Nahmen Folia Dictamni
cretici in den Arzneyvorrath aufgenommen worden, indessen scheinen sie jetzt wohl überall in
Vergessenheit gekommen zu seyn.
Sie besitzen einen gewürzhaften Geruch und Geschmack, und letzterer ist zugleich erhitzend.
Durch die Destillation mit Wasser erhält man nach Hagen’s
Erfahrung aus einem Pfunde des
trocknen Krautes ein halbes Quentchen ätherischen Ohles.
Die alten Griechen und Römer sprachen von einem Mährchen, nach welchem Ziegen, denen
man einen Pfeil in den Leib geschossen hätte, denselben wieder von sich gäben, wenn sie das
Kraut dieses Gewächses fräßen. Einige Neure haben dieses Mährchen nacherzählt und unter den
Beyspielen mit aufgeführt, die den Instinkt beweisen sollten, durch welchen die Thiere zum
Auffinden heilsamer Mittel geleitet würden. Es gehört dieses Kraut im Allgemeinen zu den
ätherisch-öhligen Mitteln, und ist daher excitirend und schweißtreibend. Das Vorurtheil der
Alten, dem zufolge es schwere Geburten erleichtere, oder doch wenigstens die Schmerzen bey
denselben lindern sollte, wird jetzt wohl nicht mehr nachtheilig werden. Sie gebrauchten es
auch bey unterdrückter Menstruation und zur Beförderung der Nachgeburt, wo man jetzt bessere
Mittel anzuwenden weiß."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Achter Band. 1822)