"Der kretische Diptam, Origanum Dictamnus L., eine
aromatische Labiate, die hauptsächlich in Kreta auf dem
Idagebirge wild wächst ; Stengel und Blätter sind mit
einem weissen Filze überzogen; letztere sind ungestielt,
eirund oder rundlich, dick und wollig. Die purpurrothen
Blümchen sind mit colorirten Bracteen geziert und bilden
ansehnliche hängende, dem Hopfen ähnliche Büschel. Das
ganze Gewächs riecht sowohl frisch als getrocknet sehr
angenehm und gewürzhaft.
Allgemein schrieb man im Alterthume diesem Diptam
eine grosse Heilkraft bei Weiberkrankheiten und zur Erleichterung
der Gebührenden bei, und Lucina kommt deswegen
öfters mit dem Diptamkranze geziert vor. Sie ist wohl einerlei mit der Tochter des Zeus,
der kretischen Dictynna, die ebenfalls den Kranz von dem
ersten aller Kräuter, dem Dictamnos, trug. Diese ist,
sagt Creuzer ein natürliches
Attribut der Dictynna, als der Diana Lucina, oder
Locheja. Sie, als Mondgöttinn und Vorsteherin der Geburt,
hatte dieses Kraut mit vorzüglichen Kräften begabt,
und auch sein Name war dem ihrigen verwandt. Es hiess
übrigens noch Labrum Veneris, Artemidesium , Eubolium
u. s. w.
Noch schrieb man dem Diptam grosse Heilkräfte bei
Verwundungen, zumal durch Pfeile, zu. Virgil lässt
den verwundeten Aeneas durch die Hand der Venus heilen,
die dazu den Diptam gebrauchte. Dieser alte Dichter
kannte die Pflanze recht gut.
Wie hoch die Römer den Diptam als ein Mittel
schätzten, das specifisch auf den Uterus wirkt, kann man
von Plinius erfahren, welcher berichtet, dass
man die Pflanze in das Zimmer einer Schwangeren zu
bringen sich scheute, aus Furcht, Abortus zu veranlassen.
Noch bis auf den heutigen Tag ist dieses höchst
interessante Gewächs an jenen Orten zu finden, deren die
Alten gedenken. Sieber bemerkt
, der kretische Diptam habe in Candia dreierlei
Namen; in Canea heisse er Dittamo, am Ida Eronda,
und in Sphakia Stemnatochorton."
(J.H.Dierbach: Flora Mythologica, 1833)