"[III.72. - Smyrnion] - Smyrnium perfoliatum (Umbelliferae) - Kleiner Pferdeseppich
Das Smyrnion, welches man in Kilikien Petroselinon nennt, wächst am meisten an dem Amanos genannten Berge. Auch dieses hat einen der Sellerie ähnlichen Stengel mit vielen Nebenzweigen; die Blätter sind breiter, zur Erde gebogen, etwas fettglänzend, kräftig, mit einer gewissen Schärfe wohlriechend, arzneikräftig und von schwach gelber Farbe. Die Dolde am Ende des Stengels ist wie beim Dill. Der Same ist rund, ähnlich dem des Kohls, schwarz, scharf, beim Kosten wie Myrrhe schmeckend, so daß das eine wie das andere wirkt. Die Wurzel ist scharf, wohlriechend, weich, saftig, den Gaumen reizend, sie hat eine außen schwarze, innen aber grüne oder weißliche Rinde. Es wächst an felsigen, hügeligen, trockenen Stellen und in öde liegenden Winkeln. Die Wurzel, das Kraut und die Frucht haben erwärmende Kraft. Die Blätter werden als Gemüse in Salzlake eingemacht, sie stellen den Durchfall. Die Wurzel ist getrunken ein gutes Mittel gegen Schlangenbisse, sie besänftigt auch Husten und Orthopnöe und heilt Harnverhaltung. Als Kataplasma verteilt sie frische Ödeme, Geschwülste und Verhärtungen und bringt Wunden zur Vernarbung. Gekocht und im Zäpfchen eingelegt verursacht sie Fehlgeburt. Der Same ist ein gutes Mittel bei Nieren-, Milz und Blasenleiden; er befördert auch die Menstruation und die Nachgeburt. Mit Wein getrunken hilft er bei Ischias und lindert Aufblähen des Magens. Ferner ruft er Schweiß und Aufstoßen hervor. Ganz besonders wird er gegen Wassersucht und periodische Fieber getrunken."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)