Chenopodium ambrosioides
"Alle Theile der Pflanze, vorzüglich aber die Blätter, haben einen eigenthümlichen, starken,
aromatischen, für die meisten Personen nicht unangenehmen Geruch und schmecken stark gewürzhaft,
kampferähnlich und bitterlich.
In der Heilkunde benutzt man von dieser aus Mexico zu uns gebrachten und besonders durch
die Jesuiten verbreiteten, daher auch Jesuitenthee benannten Pflanze, das Kraut mit den Blüthen als
Herba Botryos mexicanae s. Atriplicis odoratae americanae s Ambrosiaci seu. Chenopodii ambrosioidis (Mexicanisches Traubenkraut, Jesuitenthee). Um gut zu sein, muss es eine hellgrüne
(nicht gelbe) Farbe und den ihm eigenthümlichen Geruch und Geschmack zeigen. Es ist rathsam,
dasselbe an einem trockenen Orte in verschlossenen Gefäßen aufzubewahren, da es wegen seines
starken Gehaltes an Salzen leicht Feuchtigkeit aus der Luft anzieht und verdirbt. ...
Als Haupt- und wirksamen Bestandtheil muss man das ätherische Oel ansehen. Es ist sehr
dünnflüssig, leichter als Wasser, von blassgelber Farbe, zeigt den Geruch und Geschmack des Krautes
im stärkern Grade und erregt Brennen auf der Zunge.
Das Mexicanische Traubenkraut gehört zu den flüchtig reizenden, etwas erhitzenden Mitteln
und befördert die Thätigkeit der Haut, der Lungen und der Nieren.
... Günstige
Resultate lieferte namentlich der Gebrauch derselben bei Nervenschwäche, Lähmungen, Krämpfe
(Brustkrämpfe hauptsächlich) und asthmatischen Beschwerden.
Man reicht das trockene Kraut in Aufgüssen zu 2—4 Dr. auf 8 Unzen alle 2 St. 2 Essl.,
ferner in Pulverform zu 1/2 — 1 Dr. 1. 2 —3 m. mit Honig oder einem Syrup zu einer Latwerge gemacht,
oder in Tincturen mit Weingeist oder Aether bereitet (wohl die beste Form) z. 20—40 Tr.
alle 3 St. Uebrigens dient es als Zusatz zu mehreren Brustthees.
Als Surrogat des Chinesischen Thees hat man es ebenfalls vorgeschlagen; es ist jedoch hinsichtlich
des Geschmacks keinesweges geeignet ihn zu ersetzen — Das aus Nordamerika kommende
Wurmöl soll nach Einigen, so Geiger von dieser Pflanze abstammen."
(Gottlob Friedrich Hayne: Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Dreizehnter Band, 1837)