"[I.148. - Dattelpalme] - Phoenix dactylifera (Phoenicaceae) - Dattelpalme
Die Dattelpalme wächst in Ägypten. Die Frucht wird gesammelt um die Mitte des Herbstes, wenn die Reifezeit den höchsten Punkt erreicht hat, sie ist ähnlich der arabischen Myrobalane, wird aber Poma genannt. Sie ist von grüner Farbe, im Geschmack, ähnlich der Quitte. Wenn man sie aber ausreifen lässt, wird es die Dattel. Sie ist herb, adstringirend und dient mit herbem Wein getrunken gegen Durchfall und Fluss der Frauen. Sie beruhigt auch die Hämorrhoiden und verklebt als Umschlag Wunden. Die (frischen) Datteln sind mehr zusammenziehend als die trockenen, sie verursachen aber Kopfschmerzen und machen, im Übermaß genossen, trunken. Die trockenen aber helfen denen, die an Blutspeien, am Magen, an Dysenterie und an der Blase leiden, wenn sie fein gestoßen mit Quitten und Weinblüten-Wachssalbe aufgelegt werden. Am besten heilen die Karyotiden, genossen gegen die Rauheit der Luftröhre."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)
"[I.149. - Thebanische Datteln] - Corypha thebaica - thebaische Dattelpalme
Die Abkochung der thebanischen Datteln lindert die Fieberhitze und stellt
mit altem Honigmeth genommen die Kräfte wieder her; auch sie selbst
leisten gegessen dasselbe. Es wird aber auch Wein aus ihnen gemacht,
von derselben Kraft wie die Frucht. Auch die Abkochung derselben für
sich allein als Trank oder Gurgelmittel adstringirt und stopft kräftig.
Die Dattelkerne werden in einem neuen Topfe wie alles Andere gebrannt,
dann wäscht man sie, in Wein abgelöscht, ab und gebraucht sie als Ersatz für Spodium zur Verschönerung der Augenlider; wenn sie aber nicht
hinreichend gebrannt sind, geschieht dasselbe nochmals. Sie haben zusanimenziehende, harnbildende Kraft, die sich bei Bläschen auf den Augen,
bei Staphylom und gegen Ausfallen der Augenwimpern zusammen mit
Narde wirksam erweist. Mit Wein hemmen sie Fleischwucherungen und
bringen Geschwüre zum Vernarben. Am besten eignen sich dazu die
aus Aegypten und die von den niedrigen Palmen."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)
"[I.150. - Blütenscheide der Palme]
Die Palme, welche Einige Elate oder Spatha nennen, ist die Hülle der Frucht der noch blühenden Palme. Die Salbenbereiter gebrauchen sie zum Verdichten der Salben; als die beste gilt die, welche wohlriechend, adstringirend, schwer, geschlossen ist und innen Fett hat. Sie hat adstringirende, die fressenden Geschwüre aufhaltende Kraft und verhindert eine Erschlaffung der Glieder, wenn sie im fein gestoßenen Zustande Salben und Umschlägen zugemischt wird. Sie hilft auch bei Hypochondrie, schwachem Magen und Leberkrankheiten, wenn sie den geeigneten Umschlägen zugesetzt wird. Ihre Abkochung, dauernd ein- gerieben, färbt die Haare schwarz; getrunken ist sie bei Nieren- und Unterleibskrankheiten gut, hemmt auch Bauch- und Gebärmutterfluss. Mit Harz und Wachs weich aufgelegt und zwanzig Tage liegen gelassen, heilt sie die Krätze. Die von ihr eingeschlossene Frucht wird auch Elate, von Einigen Borassos genannt. Diese ist auch zusammenziehend und leistet dasselbe wie die Spatha, bis auf die Verwendung zu den Salbe. Auch das weiße Mark des Stammes, sowohl frisch genossen wie auch gekocht, wirkt in derselben Weise wie der Borassos."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)
"[V.40. - Dattelwein]
Nimm gewöhnliche reife Datteln und wirf sie in ein am Grunde durchbohrtes und mit eingepichtem Rohr versehenes Fass, die Oeffnung aber verstopfe mit Leinen. Auf 10 Choinix giesse 3 Chus Wasser, wenn du ihn aber nicht sehr süss haben willst, giesse 5 Chus zu und lass zehn Tage stehen; am elften nimm aus dem Rohre den Leinenpfropf, ziehe den dicken und süsen Wein ab und hebe ihn auf. Er ist wohl süss, aber macht Kopfschmerzen. Wegen der adstringirenden Eigenschaft ist er wirksam gegen Flüsse, daher auch ein gutes Mittel für die, welche an Magen- und Bauchschmerzen und Blutspeien leiden. Einige giessen dasselbe Maass Wasser wieder auf und ziehen ab, auch zum dritten, vierten, fünften und sechsten Male thun sie das, was dann übrig ist, wird sauer."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)