"Kopaivabalsam: Die Substanz gewinnt man aus den Stämmen verschiedener im Amazonasgebiet heimischer Copaifera-Arten. Holz und Mark der Bäume sind von einem Netz mächtiger schizolysigener Exkretgänge durchzogen, in denen sich der Balsam - oft in Mengen bis zu 50 l - ansammelt. Sind die Extraktkanäle übervoll, so kann der Balsam freiwillig austreten; die technische Gewinnung besteht jedoch darin, den Baum in geeigneter Weise zu verletzen. Man haut in den Stamm ein Loch bis ins Kernholz, in das man eine Rinne steckt, und fängt den austretenden Balsam in Gefäßen auf. Die Handelsware kommt gegenwärtig aus Brasilien. Je nach Handelssorte schwankt das Mengenverhältnis ätherisches Öl zu Harz im Copaivabalsam innerhalb weiter Grenzen.
Der Balsam ist eine goldbraune, sirupähnliche Flüssigkeit, die süßlich-holzig, etwas an Perubalsam erinnernd, riecht. Der Geschmack ist leicht bitter und kratzend. Die flüchtigen Anteile des Balsams, das Kopaivabalsamöl, bilden ein eigenes Handelsprodukt.
Inhaltsstoffe sind vor allem Sesquiterpenkohlenwasserstoffe, darunter über 50% Caryophyllen. Die Harzfraktion enthält Harzsäuren vom Diterpentyp.
Die Droge findet Anwendung bei chronischer Zystitis in Form von Kapseln oder als Emulsion (0,1-1 g, 3 mal täglich). Wahrscheinlich kommt weniger die antiseptische Wirkung als vielmehr die eines Reizkörpertherapeutikums zum Tragen. Unerwünschte Wirkungen sind Reizungen der Schleimhäute im Gastrointestinaltrakt.
Kopaivabalsam und -öl spielen eine bedeutende Rolle in der Parfümerie, vor allem als Fixiermittel bei der Seifenparfümierung."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)