"Begriffsklärung, Wirkweise, Anwendung: Arzneistoffe, welche eine Ausschüttung von Gallenflüssigkeit in den Darm induzieren, nennt man Cholagoga. Man unterteilt sie in die Choleretika und in die Cholekinetika. Choleretika regen den Gallefluss aus der Leber an; Cholekinetika führen zu einer Kontrakton der Gallenblase und damit zu einer Entleerung der gespeicherten Gallenflüssigkeit ins Duodenum.
Die Konzentrationen, in denen pflanzliche Cholagoga eingenommen werden, sind - verglichen mit den synthetischen Choleretika oder mit der partialsynthetischen Dehydrocholsäure - gering. Man muss zur Klärung der Wirksamkeit eine Verstärkung durch körpereigene Mechanismen postulieren. Ursprünglich stellte man sich vor, dass die Cholagoga über die Mehrbildung von Gallensäuren die Lithogenität (Tendenz zur Steinbildung) herabsetzen. Es konnte aber bisher nicht bewiesen werden, dass es zu einer Normalisierung lithogener Galle kommt. Noch viel weniger ließen sich litholytische (steinauflösende) Effekte beobachten. Bei der Behandlung ernster Gallenwegstörungen werden Cholagoga heute nicht mehr eingesetzt, allenfalls als Zusatztherapeutika (Adjuvanzien). Zwar werden Cholagoga, insbesondere in Form von Kombinationspräraten, noch viel verwendet, allerdings vorzugsweise bei unklaren Oberbauchbeschwerden mit Völlegefühl, Druck im Oberbauch und Blähungen. Anwendungsgebiete der Cholagoga decken sich weitgehend mit jenen der Stomachika und Karminativa."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)