"Ephedrakraut und Ephedrin: Unter Ephedrakraut versteht man die getrockneten, oberirdischen Teile verschiedener ephedrinführender Ephedra-Arten, insbesondere Ephedra gerardiana (indisches Ephedrakraut), E. intermedia (pakistanisches Ephedrakraut), E. equisetina, E. sinica (chinesisches Epehdrakraut). Die Gattung umfasst etwa 40 Arten, die vorwiegend Trockengebiete besiedeln. Es sind kleine xeromorphe Stäucher, die im Habitus and Schachtelhalme oder Ginster erinnern.
Die in Nordchina und der Mongolei wild wachsenden Ephedra-Arten sind in der chinesischen Medizin seit mehr als 4000 Jahren bekannt. Sie wurden bei einer Vielzahl von Indikationen verwendet. Der Geruch der Droge ist aromatisch, ihr Geschmack stark zusammenziehend und leicht bitter. Systematische Untersuchungen zu den Inhaltsstoffen fehlen. Die Pharmakopöen unterscheiden drei Ephedrin-Präparate: wasserfreies Ephedrin, Ephedrin-Hemihydrat und Ephedrinhydrochlorid. Ephedrin ist ein direkt und indirekt wirkendes Sympathikomimetikum. Es erweitert die Bronchien und die Pupillen, es erhöht den Blutdruck, es wirkt zentral anregend und kann zur physischen Abhängigkeit führen. Es ist auch ein appetithemmender Effekt vorhanden. Unerwünschte Nebenwirkungen sind: Herzklopfen, Unruhe, Schlaflosigkeit, Erschwerung des Harnlassens.
Anwendung des Ephedrakrauts: Die Droge dient als Ausgangsmaterial zur Gewinnung von natürlichem Ephedrin. Galenische Zubereitungen wie Dekokt, Fluidextrakt oder Tinktur werden kaum noch gebraucht. Ephedrakraut wurde gelegentlich - ähnlich wie die bekannten Asthmaräucherpulver aus Solanazeendrogen - als Räucherpulver verwendet."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)