"[I.11. - Malabathron] - Laurus cassia (Laurineae) oder Cinnamomum cassia, aromat., tamala -Kassienlorbeer
Einige nehmen an, das Malabathron sei das Blatt der indischen Narde, verleitet durch die Ähnlichkeit im Geruch; es haben nämlich viele Pflanzen einen nardenartigen Geruch, wie das Phu, die Haselwurz, Neris. Die Sache verhält sich aber nicht so. Es ist eine besondere, in den indischen Sümpfen wachsende Art, indem es ein Blatt ist, welches auf dem Wasser schwimmt, gerade so wie die auf den Sümpfen sich findende Linse, ohne dass es eine Wurzel hat. Die Sammler ziehen es rasch auf eine Leinenschnur zum Trocknen und bewahren es auf. Man sagt, daso, nachdem das Wasser durch die sommerliche Hitze verschwunden ist, der Boden mit Strauch- werk gebrannt werde, denn, wenn dies nicht stattfände, wachse es nicht. Gut ist es, wenn es frisch , beim Einweichen weißlich, nicht zerbrechlich und ganz unversehrt ist, wenn es einen durchdringenden Duft mit lange anhaltendem nardenartigem Wohlgeruch und dabei keinen salzigen Geschmack hat. Das schwache und zerbröckelte, welches einen muffigen Duft von sich gibt, ist unbrauchbar.
Es hat dieselbe Kraft wie die Narde; aber jenes leistet Alles kräftiger. So hat das Malabathron eine harntreibendere und magenstärkendere Kraft, auch gegen Augenentzündungen eignet es sich, wenn es mit Wein behandelt, fein zerrieben und eingestrichen wird. Es wird aber auch unter die Zunge gelegt zum Wohlgeruch des Mundes und zwischen die Kleider, denn diese schützt es vor (Motten-) Fraß und macht sie wohlriechend."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)
"[I.12. -Kassia] - Cinnamomum spec. (Lauraceae) - Zimmt
Von der Kassie gibt es mehrere Sorten, welche in dem gewürzliefernden Arabien wachsen. Sie hat einen dickrindigen Zweig, Blätter wie der Pfeffer. Wähle die ins Gelbliche spielende, gut aussehende, korallenähnliche, sehr dünne, lange und feste, die voll voll Röhren ist, die einen beißenden und zusammenziehenden, zugleich einen einigermaßen brennenden, würzigen Geschmack und einen weinartigen Geruch hat. Die so beschaffene wird von den Eingeborenen Achy genannt. Bei den Kaufleuten in Alexandrien führt sie den Namen Daphnitis. Dieser steht aber voran die dunkle und purpurfarbene, dichte, genannt Zigi, die einen Rosenduft hat. Und um besten zum medizinischen Gebrauch sich eignet. An zweiter Stelle dann kommt die vorher genannte. Die dritte ist der sogen. mosylitische Zweig, die übrigen aber sind minderwertig, wie die Aphysemon genannte dunkle, unan-genehm riechende, mit dünner oder auch rissiger Rinde, oder wie die als Kitto und Dakar bezeichnete. Es gibt aber auch eine ungeheuer ähnliche falsche Kassia, welche durch den Geschmack erkannt wird, der weder scharf noch gewürzhaft ist; sie hat die Rinde, welche dem Mark angrenzt. Es wird aber auch eine breite Röhre angetroffen, zart, leicht, schlank, welche wohl den Vorzug vor der anderen hat. Verwirf aller die weißliche, krätzig aussehende, die einen bockartigen Geruch hat, und die, welche keine dicke, sondern eine krätzige und schwache Röhre hat.
Sie hat erwärmende, harntreibende, austrocknende und gelind adstringirende Kraft. Sie eignet sich sehr zu Augenmitteln für Scharfsichtigkeit und zu Umschlägen. Mit Honig eingesalbt, entfernt sie die Leberflecke, innerlich genommen befördert sie auch die Menstruation und hilft den von der Ottergebissenen, getrunken ferner hilft sie gegen alle inneren Entzündungen und endlich den Frauen im Sitzbade und in der Räucherung zur Erweiterung des Muttermundes. Die doppelte Menge den Arzneimitteln zugemischt, wenn Kinnamomon mangeln sollte, leistet dasselbe. Gar sehr ist sie endlich zu Vielem nützlich."
(Dioskurides: Materia Medica, Übersetzung von Julius Berends, 1902)