"Cinchona-Alkaloide: Die Heimat aller Cinchona-Arten sind die Ostabhänge der Kordillieren nach Bolivien, Peru, Ecuador und Venezuela, wo sie, obwohl mehrfach von Ausrottung bedroht, auch heute noch in Höhen von 1000 bis 3500 Metern wiel vorkommen. Die Cinchonen sind Bäume, sie wachsen aber verstreut und bilden keine Wälder. Nur ein verschwindend kleiner Teil der im Welthandel benötigten Chinarinde stammt aus den natürlichen Verbreitungsgebieten. Kulturen befinden sich in Indonesien (Java), Sri Lanka, Indien, Vietnam und im tropischen Afrika (Kongogebiet, Kinshasa).
Pharmakognostisch lassen sich drei Sorten von Chinarinde unterscheiden: gelbe, rote und graue Chinarinden. Gelbe Chinarinden zeichnen sich durch einen hohen Gesamtalkaloidgehalt aus (bis zu 15%), wobei 80-90% des Alkaloidgemisches auf Chinin entfallen. Diese "Fabriksrinde" ist zur industriellen Chiningewinnung bestimmt. In der botanischen Literatur werden als Stammpflanzen Cinchona calisaya und C. ledgeriana genannt.
Als Stammart für die roten Chinarinden werden C. succirubra und C. pubescens angegeben. Die Heimat dieser Arten ist Ecuador. Kreuzungen mit anderen Cinchona-Arten werden in Indien, auf Sri Lanka, auf Java und im tropischen Afrika kultiviert. Die roten Chinarinden sind weniger gut zur Chiningewinnung geeignet, sie werden zur Herstellung von galenischen Zubereitungen (für Bittermittel) verwendet, weshalb man sie auch als "Apothekerrinden" bezeichnet.
Graue Chinarinde stammt von Cinchona officinalis, eine Art, die besonders in Ecaudor vorkommt, Diese Drogensorte wird nur als Bittermittel in der Likörindustrie verwendet."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)

"Chininsulfat: Die Substanz bildet farblose Kristalle, die geruchlos sind und einen stark bitteren Geschmack aufweisen. Sie sind in Wasser und Ethanol schwer löslich. Chininsulfat wird durch Extraktion aus Chinarinde gewonnen.
Die Droge beseitigt in vielen Fällen die durch die Schizontenform des Malariaerregers hervorgerufenen Fieberanfälle. Insbesondere in Kombination mit synthetischen Antimalariamitteln setzt man es gegen Plasmodium falciparum-Stämme ein, die gegenüber den synthetischen Arzneistoffen Resistenzen entwickelt haben. Chinin ist ein wirksames Mittel zur Bekämpfung der nächtlichen Wadenkrämpfe. Empfohlen wird, eine Gabe von 100-300 mg vor dem Schlafengehen einzunehmen. Ein Großteil der Patienten bleibt auch nach Absetzen der Medikation beschwerdefrei.
Chinin ist noch immer in vielen Grippemitteln enthalten, allerdings in viel zu niedriger Dosierung, um den schwachen analgetischen und antipyretrischen Effekt zur GEltung bringen zu können. Der therapeutische Nutzen bei Erkältungskrankheiten steht in keinem Verhältnis zum relativ hohen Risiko der unerwünschten Nebenwirkungen, wie gastrointestinaler Unverträglichkeit sowie allergischen Reaktionen.
Chinin wurde früher in geringer Dosierung zusammen mit Rizinusöl zur Wehenverstärkung gegeben. In vielen Ländern erlaubt die Lebensmittelgesetzgebung Chinin Limonaden zuzusetzen. Die zur Bitterwirkung nötigen Dosen sind so klein, dass mit unerwünschten Nebenwirkungen nicht zu rechnen ist. "
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)

"Chininhydrochlorid: Die Substanz unterscheidet sich von Chininsulfat in ihrer besseren Wasserlöslichkeit. Man nutzt sie bei der Rezeptur von Haarwässern aus, deren lokale Anwendung gegen Haarausfall nutzen soll. "
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)

"Chinidin, Chinidinsulfat: Die Substanz besteht aus feinen, farblosen Kristallen, die geruchlos sind und stark bitter schmecken. Sie sind in siedendem Wasser löslich. Einen Teil des Chinidins gewinnt man durch Extrakton aus den Mutterlaugen der Chininfabrikation. Es ist in Chinarinden aber in einer vergleichsweise geringen Menge enthalten.
Chinidin wirkt hemmend auf das Natriumtrasportsystem der Zellmembran, insbesondere am Sinusknoten, so dass die Erregbarkeit des Herzens herabgesetzt wird. Chinidin kann daher zu Behandlung bestimmter Formen von Arrythmien eingesetzt werden."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)

"Chinarinde: Die Droge besteht aus der getrockneten Rinde von Cinchona pubescens oder von deren verwandten Varietäten. Es handelt sich um stattliche Bäume vn 15-20 m Höhe mit rotbrauner Rinde und dichter Baumkrone. In den Kulturen - Hauptanbaugebiete liegen auf Java und in den tropischen Teilen Afrikas - werden die Bäume gefällt, lange bevor sie ihre maximale Höhe erreichen. Ein typisches Verfahren besteht darin, die Bäume in einem Alter von 6-12 Jahren samt Wurzel auszugraben, um außer Stamm- und Zweigrinde auch die Wurzelrinde ernten zu können ("uprooting").
Die Droge hat einen schwachen, eigenartigen Geruch und einen intensiven, bitteren, etwas zusammenziehenden Geschmack. Chinarinde wird heute ausschließlich in Form ihrer galenischen Zubereitung als unspezifisches Bittermittel verwendet. Sie dient zur Herstellung eines weingeistigen Chinaextrakts, eines Chinafluidextrakts, einer Chinatinktur und einer zusammengesetzten Chinatinktur. Der Alkaloidgehalt der Galenika ist relativ niedrig.
Anwendung: Als reflektorisch wirkendes Bittermittel bei Dyspepsien und subaziden Gastritiden. Unerwünschte Wirkungen sind wegen der niedrigen Dosierung kaum zu befürchten, allerdings muss in seltenen Fällen mit allergischen Reaktionen gerechnet werden."
(Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie, Springer-Verlag, 1988)